Brauchtum in Geislohe

In Geislohe hält man schon immer sehr viel auf Tradition. Man achtet auch das, was uns von den Ahnen überbracht wurde. So ist es in diesem Dörfchen seit je her sitte, den Maibaum mit Musklelkraft aufzustellen. Alle kräftigen Männer des Dorfes strengen sich gemeinsam an, um den Maibaum mit den selbstgefertigten Schwalben aufzustellen.

Maibaum in Geislohe

Es ist in Geislohe gute, alte Tradition, den Maibaum "von Hand" mit den seit jeher gebräuchlichen Schwalben aufzustellen. Schwalben sind lange Holztangen, die am dünneren Ende mit Kälber- oder Gerüststricken zusammengebunden sind. Der Abstand der Stangen muss weit genug sein, um den Baum später damit fassen zu können.
Die Schwalben werden jedes Jahr wieder neu zusammengebunden. Sie haben natürlich unterschiedliche Längen, damit die Männer, die den Baum aufstellen, ihre Kräfte gemeinsam einsetzen können.
Zuvor schmückt die Dorfjugend den Maibaum beim Kittsteiner Karl, der seinen Hof direkt neben dem Platz für den Maibaum hat. Das ist praktisch, denn dann ist der Baum auch gleich vor dem Maibaumstehlen geschützt. Zudem profitiert das Jungvolk natürlich von der Erfahrung der Älteren.
Nachdem der Baum in die rechte Lage zum aufstellen gerückt ist, werden die Schwalben angelegt. Dann übernimmt der Feuerwehrkommandant Helmut Pfister das Kommando. "Hau ruck, hau ruck," heißt es dann und alle Kräfte werden mobilisiert. Dabei gibt man dem armen Helmut ständig andere Vorgaben, wie es besser gehen könnte. Man palavert viel und lange, aber beim nächsten "hau ruck" gewinnt der Baum wieder an Höhe. In ausreichendem Abstand bewundern natürlich die "Weiberleit" ihre Kraftprotzen. Am Ende sind alle froh, wenn der Baum wieder Gerade in seinem Spundloch steht. Man freut sich natürlich um so mehr, wenn dank der Umsicht aller niemandem etwas passiert ist.
Schließlich muss der Maibaum dann die ganze Nacht bewacht werden, damit sich keine Spitzbuben an ihm zu schaffen machen.
Natürlich ist es der Brauch, dass man zu vorgerückter Stunde sich umschaut, ob jemand etwas leichtsinniger weise herumliegen ließ. Das findet er dann am Morgen des 1. Mai neben dem Maibaum.

Maienstecken


In diesem Jahr, 2009, kam eine neue Facette im Brauchtum dazu. Christina hat einen Burschen aus Büttelbronn ins Herz geschlossen. Dort ist es üblich, der angebeteten eine frische Birke vor die Türe zu stellen. Ist das Mädchen ehr- und tugendsam, erstrahlt das Bäumchen in festlichem Glanze. Wollte man ausdrücken, dass es mit der Ehre eines Mädchens nicht so weit her ist, oder dass sie jemanden enttäuscht hatte, stelle man in der Walpurgisnacht einen verdorrten Baum vor deren Türe. Zudem kann man das Maß der Liebe an der Größe des Baumes ablesen. Christinas Freund muss also schon sehr verliebt sein - wie man sieht.
In manchen fränkischen Gegenden geschieht dieser Brauch in der Nacht vor Pfingsten.

Heuer haben unsere jungen Leute den Maibaum von Osterdorf gestohlen. Die hatten ihren Baum im Wald liegen lassen. Als sich nun die Geisloher aufmachten, ihren Baum zu suchen, entdeckten sie den schon gefällten Baum der Osterdorfer.
Schwubbs, war er weg!
Den Osterdorfern blieb nichts anderes übrig, als ihren Baum dann gegen 50 l Bier und 20 Steaks wieder auszulösen.

Christinas "Bäumchen"