Geschichten und G'schichtli

Lesehinweis


Die Buchstabenverbindung „ei“ wird in Franken auf verschiedene Weise gesprochen.

Einmal so, wie bei einem Hühnerei. Dann ist das „ei“ normal geschrieben: dei Hemmad hengt raus – dein Hemd hängt heraus.

Ist hinter dem „e“ ein Bindestrich eingefügt (e-i), muss man sowohl das „e“, wie das „i“ zwar zusammen und dennoch einzelnbetont sprechen: Etz kummt de-i scho widder! – Jetz komm die (eine Frau) schon wieder.
Etwa so, wie wenn man das englische "Hey" spricht.

Berchgnobberng'schichtli


Die Bürgermeisterwahl in Geyern

In einem Juradorf das Amt des Bürgermeisters auszuüben, ist wahrlich nicht das große Vergnügen. Wenn ein „Berchknobbern“ einmal seinen Dickschädel aufsetzt, bedarf es schon großer Überredungskünste, ihn von irgend etwas anderem, seinen Wünschen nicht entsprechendem, zu überzeugen.
So musste einmal in Internbuch oder in Geyern ein neuer Bürgermeister gesucht werden, weil der alte verblichen war. In welchem von beiden Dörfern sich die Geschichte abspielte, ist davon abhängig, wo man sich gerade befindet, immer nämlich waren es die anderen.
Es gab jedenfalls niemanden, der sich freiwillig dazu hergeben wollte, dieses „Ehrenamt“ zu begleiten. Lange Zeit musste man ohne Bürgermeister auskommen. Nachdem alle Beratungen, bei denen natürlich auch der Gerstensaft reichlich geflossen war, zu keinem Ergebnis geführt hatte, kam einem eine Idee.
Nach dem Kirchgang wurden alle Männer, die alt genug waren, das Bürgermeisteramt zu übernehmen, aufgefordert, sich am Abend mit umgebundener Schürze auf dem Dorfplatz einzufinden. Dort, wo sich die Bänder am Rücken kreuzten, sollte man einen Büschel Heu hineinstecken.
Auf dem Gemeindeplatz angekommen, mussten sich dann alle im Kreis, mit dem Gesicht nach außen, aufstellen. Sodann führte man einen Ochsen in die Mitte. Dieser sollte nun die Wahl treffen, denn derjenige, von dessen Büschel der Ochse zuerst gefressen hatte, sollte der neue Bürgermeister sein. Man kann sich denken, welche Wirtshausneckerei daraus entstand. Seitdem heißt es nämlich, der Geyerer - respektive der Indernbucher - Bürgermeister würde von Ochsen gewählt.

Aus: Erlebnis Weißenburger Jura - Verlag Walter E. Keller - Dieter Rieß

Freidooch Nammidooch




Zeddl gschriem
ins Audo ghoggd
in'd Schdood nei gfoarn
in Subbermargd nei
vor an Rechaal gschdanna
nix g’funna
weider gschuum worn
vo di Kinder ugnervd
ka Verkaiferi gfunna
ble-id ugschmarrd worn
an der Kassa ugschdanna
iber a nerverds Weib g’örchert
ham gfoarn
Gott sei Dank,
dass mer etz alles homm -
aber näxschdn Freidooch
ge-ids grood su.

erscheint in "Äbierschlendern mit Maseru" - Kartoffelsuppe mit Majoran

Simm Hummln


A Zeit lang sin die Weißnburcher gern nach Haardt zun Schinknessn ganga. Dou is mer dann bein Eckerla (Eckerlein) eik'hert. Die ganze Wertschaft woar ner bluoß a grouß Zimmer vuur der Kichn. Oft woar blouß der Alt Eckerla dahamm, die andern warn draßn afm Feld odder im Schdall odder suscht wou. Den altn Muu hout mer, wenn mer a weng vertraut mitna woar, blouß in „Opa“ g'haßn.
An an sche-ina Wintertooch hom nou amol mei Gitti un i beschlossn, daß mer eichentli nach Hoart zun Schinknessn ge-ih kenntn. Des woar a recht sche-ine Wanderung die Lubberer naaf, durchn Weißerburcher Wald nei in des klanne Dörfla. Widder amol woar blouß der Opa dahamm.
We-i er uns dann mit sein Schingng - er hout des Wort immer a weng durch die Noosn mit zwaa ng hinteranander gsacht - versorcht g'habt hout, houd er si a weng herg’hoggd, un nou sen mer a weng ins Blaudern kumma. I hob nou su dou, als we-i wenn mi brennend intreressierad, wos in sanner Landwirtschaft su leffd un hob ner’n gfroucht: „Na Opa, wos hobt er denn su fiir Fiicher im Schdoll?“
„No ja“, hout er g'sacht, „mir hom hald an Haffm Sei fiirn Schingng, zwanzg Ke-ih un simm Hummln.“

Des is mer dann recht komisch vur kumma, weil daß anner Biena hout, des hob i scho g'wißt, obber daß etz anner Hummln hout, und ausgrechnt grood simm Schdick, des hob in nunni g'heerd g'habt. Desweng hob i nou g'froucht: „Sanns mer net be-iß, Opa, obber soongs mer amal, wos Hummln sin?“
Dou hädd i den arma Muu ball in a Verleengheit bracht. Er hout laud zum Denkn ug'fangt: „No ja, Hummln, no ja des sin halt, no des sin halt Oxn.“ Derbei houts'n ganz g'schiddlt vuur lauder Lachn.

De-i G'schicht hob i nou schbader a mal meine Kinder in der Schuul verzillt. Un dou hout mi nou mei Anton - a ganz bsonderer Knobbern - recht drecki ausg'lacht. Nou hobin g'froucht: „Wos lachschdn su drecki, Anton?“ Dou hout der Bou sei schenschts Lachng aafg'setzt un hout g'sacht: „Des sin kanni Oxn, Herr Lehrer, des san Schdier!“ Dou hob i gmaant: „No, des is doch is gleiche.“ Etz hout mei Anton erscht reecht is Lachn uug'fangt, un hout grinzt: „Des maana a blouß Sie, Herr Lehrer!“ Nou hob i g'sacht: „Dann erklär mer a mal den Unterschied!“ Dou hout nou sugoar mei gre-ischder Lauser an routn Kupf gre-icht, un hout a weng rumdruxt. Obber dann hout er si doch traut un rausposaunt: „A Schdier kunn nu, Herr Lehrer, obber a Ox kunn nemmer!“

erscheint in "Äbierschlendern mit Maseru" - Kartoffelsuppe mit Majoran

Griß Godd, Herr Aßmann

Dâ Aßmann Helm woar a Metzger, dea sa G’schäfd in Weißerburch in der Friedrich-Eberd-Schdrass g’hood houd. Wenn er mid sanner Ärberd fiarn Dooch feddi woar, is er abbl a wenig zun Ratschn in der Nachberschaft ganga. Zun Eisnmann, zun Saddler Begg odder zun Kullnhandler Mößner oder sunscht wou hii. Selbis mal woar er ba der Minni am Saumarg.

Bletzli is sein G’söll derherkumma un houd nern g’frouchd: „Maschder wos soll in etza dou. Dou houd der Helm g’maand: „Houschd die Wuaschdkichng scho sauber g’machd?“
Dou houd si der G’sell grolld und houd dou, wos der Maschder g’sachd g’hood houd. As houd ned lang dauerd, dou woar er scho widder dou und houd g’möld: „Di Wuaschdkichn is sauber, Maschder, wos soll in etz dou?“ Der Helm woar ned schlecht g’nervd, dass der Hamberer scho widder dou woar un houd dunnerd: „Häng hald dann naggerdn Oarsch a Schdund lang zun Fenschder naus!“
Der G’söll houd si umdraht un is gonga. Bingdli nouch anner Schdund is er nou scho widder dou g’schdanna un houd wissen wolln, wos er etz dou sollerd. Dou houd nern der Helm g’froucht: „Houschd dann Oarsch zun Fenschder naus g’haldn?“ „Fraali,“ houd der G’söll grisd. „Un wos homm di Leid g’sachd?“ wolld der Metzgersmaschder wissn.
„Griß Godd, Herr Aßßman,“ houd der G’söll g’feixd und houd g’schaud, dass er wieder kumma is.
Grüß Gott, Herr Aßmann

Der Assmann Wilhelm war ein Metzger, der sein Geschäft in Weißenburg in der Friedrich-Ebert-Straße gehabt hat. Wenn er mit seiner täglichen Arbeit fertig war, ist er immer ein bisschen zum Ratschen in die Nachbarschaft gegangen. zum Eisenmann, zum Sattler Beck oder zum Kohlenhändler Mößner oder sonst wo hin. Selbiges Mal war er bei der Minni am Saumarkt.
Plötzlich ist sein Geselle daher gekommen und hat ihn gefragt: „Meister, was soll ich denn jetzt tun?“ Da hat der Wilhelm gemeint: „Hast du schon die Wurstküche sauber gemacht?“
Da hat sich der Geselle getrollt und hat getan, was ihm sein Meister gesagt hatte. Es hat nicht lange gedauert, da war er schon wieder da und hat gemeldet: „Die Wurstküche ist sauber, Meister, was soll ich jetzt tun? Der Wilhelm war nicht schlecht genervt, dass das Männchen schon wieder da war und hat gedonnert: „Hänge halt dein nacktes Hinterteil eine Stunde lang zum Fenster hinaus!“
Der Geselle hat sich umgedreht und ist gegangen. Pünktlich nach einer Stunde ist er dann schon wieder da gestanden und wollte wissen, was er jetzt tun sollte. Da hat ihn der Wilhelm gefragt: „Hast du deinen Hintern zum Fenster hinausgehalten?“ „Freilich,“ grinste der Geselle. „Und was haben die Leute gesagt?“ wollte der Metzgermeister wissen.
„Grüß Gott, Herr Assmann,“ hat der Geselle gefeixt und hat danach getrachtet, Reißaus zu nehmen.