Im Weißenburger Land

1. Ostern


In Pleinfeld, Fiegenstall, Stopfenheim, Walting und Mischelbach ist noch die Palmbüschelweihe oder das PaImbüscheltragen eingeführt. Auf langen Stangen tragen die Jungen mächtige Büschel von allerlei Pflanzen (Haselnusskätzchen, Palmkätzchen, Mistelzweige, Tannenzweige, buntes Laub, Schilf) zum Hochamt zur Palmbüschelweihe.
Daheim werden sie in den Stall gestellt, damit das Vieh von Seuchen, Krankheiten und Hexen verschont bleibt,

Walting
Wer am Palmsonntag am letzten aus dem Butt schlüpft, ist ein Jahr lang der „Palmesel“.

Vor dem Frühgottesdienst am Palmsonntag werden die aus vielerlei "Kräutern" (Haselnusskätzchen, Palmkätzchen, Misteln, Tannenzweige, buntes Laub, Schilf) zusammengefügten, an einer langen Stange befestigten Palmbüschel (Kräuterbüschel) geweiht und kommen danach in den Stall zum Schutz gegen Tierkrankheiten, Seuchen und Blitzschlag. Wer den Palmbüschel in den Stall verbringt, erhält einige Eier. Damit wegen der Eier unter den Geschwistern kein Streit entsteht, wird jährlich mit dem Palmbüschelverbringen abgewechselt. Die Kinder reißen sich darum, die Palmbüschel für kinderlose Bekannte zur Weihe zu tragen, denn dafür erhalten sie Geschenke oder Geld. Bei der Palmprozession setzt jedes Kind seinen Ehrgeiz darein, den längsten und schönsten Palmbüschel zu haben.

Brunnen und Quellen werden an Ostern nirgends geschmückt.



In Solnhofen sind folgende Karfreitagsbräuche üblich:

Am Karfreitag sollen die männlichen Personen ein Gänseei essen, damit sie sich beim Heben von größeren Lasten keinen Leibschaden (Leistenbruch, Hetzbruch) zuziehen.

An diesem Tag soll man kein Wasser trinken, damit im Sommer ein Trunk aus einer Quelle nicht schadet.

In der Nacht zum Karfreitag soll man ein Bündel Heu ins Freie legen und dieses dann am nächsten Morgen nüchtern dem Vieh geben, dann hat man das ganze Jahr hindurch „Glück im Stall“.

Den Maulwurf soll man dadurch vertreiben können, wenn man am Karfreitag vor Sonnenaufgang unbeobachtet Schritt für Schritt mit, einer Hacke um die Wiese geht und dabei spricht: „Jetzt fang ich an zu hacken, Maulwurf, du musst dich packen (fortziehen).“

Die Karfreitagsratschen sind noch in Fiegenstall, Reuth am Wald, Stopfenheim, St.Veit und Walting bekannt. Sie sind aus Holz gefertigt und verursachen durch Drehbewegungen laute Klappertöne (das „Ratsch'n“), die vom Gründonnerstag Mittag bis Karsamstag früh das während dieser Zeit ruhende Geläute der Kirchenglocken ersetzen müssen. Die Jungen gehen meist mit den Ratsch'n durch den Ort, ratschen und rufen die Gottesdienstzeiten aus. Für diesen Dienst erhielten sie vor dem Krieg von den Leuten die Ratscheier.

In Reuth am Wald, Stopfenheim, St. Veit und Walting wird „Osterwasser“ am Karsamstag aus der Kirche geholt,

In Fiegenstall, Mischelbach, Pleinfeld, Reuth a. Wald, St. Veit und Walting findet an Ostern die kirchliche Weihe von Eiern, Schinken, Salz, Backwerk, Brot und die Weihe des „Kräuterbüschels“ statt.

In Büttelbronn, Dietfurt, Emetzheim, Höflingen, Langenaltheim, Oberhochstatt, Pleinfeld, Rohlingen, Rothenstein, Schambach, Walting, Weimersheim sind bei den Kindern an Ostern noch besondere Eierspiele eingeführt: Eierwerfen, Eierrollen, Gackalarollen, Eierkugeln, Eierhorln, Spackern, Eierpicken.

Das einfachste Spiel ist das Eierwerfen. Die Kinder sammeln sich auf einer Wiese und werfen Ostereier in die Höhe. Wenn sie zerschellen und die Schalen gelockert sind, werden sie gegessen.

Eierhorln geht ähnlich, wie das Schussern. Ein Ei wird von einem Kind (meist im Gras) fortgehorgelt (= fortgekugelt), ein zweites Kind kugelt sein Ei dem anderen nach und trachtet es zu treffen, denn dann gehört es ihm. Wenn es nicht getroffen wird, gehören beide Eier dem ersten Kind.

Beim Eierpicken oder Spakern werden gefärbte gesottene Eier von 2 Jungen in der gefausteten Hand so geschützt gehalten, dass nur die Spitzen erreichbar sind« Abwechselnd pickt der eine Junge auf das Ei des ändern solange, bis die Spitze eines Eies eingebrochen ist. Der Junge, dessen Ei heil bleibt, gewinnt das eingeschlagene Ei des andern. Zuweilen versucht ein Unehrlicher dieses Gewinnspiel mit einem Gipsei für sich erfolgreich zu gestalten. Wird er dabei ertappt, erhält er seine verdiente Tracht Prügel und wird für diese Zeit vom Spackern ausgeschlossen.

Verse werden bei den Eierspielen nirgends gesprochen.

d) Sonstige Osterbräuche.

In Reuth am Wald und in Walting ist noch die Feuerweihe üblich. Auf den Höhen bei Walting werden vor und nach Ostern „Osterfeuer“ abgebrannt. Das Holz dazu wird von den Burschen des Dorfes als freiwillige Leistung bei den Bauern geholt. Am Karsamstag um 7 Uhr morgens errichten die Ministranten an der Kirchhofmauer einen Feuerstoß. Dann erfolgt die Weihe der „Brandstecken“. Jeder Haushalt holt sich einen und hinterlegt ihn zum Schutz gegen Feuersgefahr ein Jahr lang im Haus und Stall.

Wer in Walting am Ostersonntag am letzten auf steht, ist der „Osterhas“ das ganze Jahr hindurch. - Der größere Teil der Ostereier wird am Sonntag mit Schinken, Brot, Kuchen und Salz zur kirchlichen Osterweihe getragen. Nach dem Vormittagsgottesdienst erhält jeder Familienangehörige einen Teil des Geweihten zugewiesen und es beginnt der Osterschmaus. Jedes Haustier bekommt ein Stückchen geweihtes gesalzenes Brot, damit es vor Krankheit und anderen Schäden bewahrt, bleibt. Eierschalen, Brotrinden, Knochen und dergleichen als geweihte Überreste werden verbrannt und die Asche am Ostermontag nachmittags aufs Feld gestreut, in den Brunnen geworfen oder in ein Säckchen gefüllt und unter dem Viehbarren verstaut bzw. im Stall aufgehängt bis zum nächsten Ostern. Dadurch sollen Unglück im Stall, Krankheiten von den Menschen und Misswuchs vom Feld ferngehalten werden, - Mit dem geweihten Osterwasser wird bei einem Gang der. Familie am Ostermontag nachmittags das Feld besprengt. Das nennt man die „0stertauf“.

e) Ostergebäck

In Büttelbronn, Emetzheim, Langenaltheim, Rehlingen und Solnhofen erhält das Patenkind vom Paten einen aus Hefenteig gebackenen „Osterhasen“, der ein gefärbtes Ei legt. In anderen Orten hat der Osterfladen, das Osterlämmchen oder der „Osterbetz“ aus Biskuitteig eingeführt, In Mischelbach kennt man den „Zopf“ als Ostergebäck. In Walting erhalten die Dienstboten am Ostertag einen aus Hefenteig gebackenen Osterhasen, einen „Osterfladen“ (das ist ein mit Eiweiß bestrichener Kuchen), geweihten Schinken und 12 Ostereier.

2. Walbugisnacht


In Emetzheim, Nennslingen und Oberhochstatt ist das „Walburgimarkt aufstellen“ üblich. Alle Sachen und Geräte, die nicht auf geräumt sind, werden auf einem bestimmten Platz im Dorf zusammengetragen. Unter dem Spott und Hohn der Einwohner holen die Eigentümer dort ihre Sachen wieder ab.

In Schambach und Dietfurt wird der Walburgimarkt in der Weise aufgestellt, dass die bei schlampigen Leuten weggenommenen Schubkarren, Gartentüren, Ackergeräte und dergleichen an den unmöglichsten Orten aufgehängt werden, von wo aus sie der Eigentümer nur mit größter Mühe unter dem Gespött der Leute wieder herunternehmen kann.

In Fiegenstall ist „das Aufräumen“ üblich. Es besteht darin, dass von den jungen Burschen alle unordentlich umherliegenden Geräte fortgetragen und versteckt werden.

Auch in Rothenstein ist das Aufräumen eingeführt. Doch werden dort darüber hinaus zuweilen Haustüren, Fenster, Hundshütten u.a. zugenagelt.

3. Pfingsten


a) In Rehlingen, Dietfurt und Schambach werden an Pfingsten die Häuser, in Solnhofen und Nennslingen nur die Gasthäuser mit Birken geschmückt. In Rothenstein kommen an Pfingsten Birkensträuße in die Stuben,

b) In Rehlingen, Fiegenstall, Höttingen, Nennslingen und Oberhochstatt bekommen die Mädchen eine Pfingstbirke, „Pfingstmaia " genannt, vors Haus gestellt.

c) Wer in Pleinfeld am Pfingstmorgen als letzter in der Familie auf steht, wird als „Pfingstlümmel“ verspottet und verlacht. Davon werden auch die beiden Eltern nicht verschont. Der Bauer (seltener die Bäuerin) geht auf alle seine Äcker und besprengt sie im Umgang mit Weihwasser, welches er nach der Weihe am Pfingstsamstag aus der Kirche geholt hat, und bittet um eine gute Ernte.

In Reuth am Wald trägt die Hausfrau in der Pfingstwoche geweihtes Wasser auf ihre Felder und besprengt die Grundstücke an allen 4 Ecken.

In Walting wird „der geweihte Pfingsttauf“ am Pfingstmontag bei einem Gang der Familie durch ihr Feld vergossen, in der Hoffnung, Unwetter fernzuhalten und eine gute Ernte zu
bekommen.

In Pleinfeld wird beim Abschluss der Hopfenernte „Die Alt heimgefahren“. Auf den mit den letzten Hopfenreben geschmückten und mit den letzten Hopfensäcken beladenen Wagen sitzt das lustige Volk der Zupfer. Ein Junge trägt „die Alt' ", eine Strohpuppe an einer langen Stange. Mit Singen und Johlen geht es dem Bauernhof zu, wo bei Essen, Trinken, Singen, Scherzen und Tanz der „Niederfall“ gehalten wird.. Ein nicht eingeweihter Junge muss die „Hopfenschere“ (die es nicht gibt) holen; Im Hausgang oder im Stadel erhält er einen Sack voll Steine auf den Rücken. Zudem wird ihm zun Gaudium der anderen das Gesicht geschwärzt. Nun fliegen plötzlich in den Hausflur, manchmal auch in die Bauernstube, Steine, Glasscherben, Blechzeug und anderes. Die Leute sagen: „Die Alt“ wird in den Hausgang geworfen.“

Brauchtum beim Hopfenpflücken in Mischelbach

Die „Alte“.

Die letzte Stange ist die " Alte ". Man schmückt die Alte zu einer Puppe und verziert sie mit Bändern. Sie liegt beim Heimfahren des letzten Hopfens mit dem Fuhrwerk obenauf. Auf dem Wagen sitzt das junge Volk der Pflücker. Vorne geht der Musikant mit Ziehharmonika. Beim Wirtshaus wird angehalten und ein Fässchen Bier wird aufgeladen. Danach wird ein mit Bier gefüllter Humpen den Pflückern auf dem Wagen herumgereicht.

Holen der Hopfenschere

Des Brauchtums unkundige schickt man mit einem Rucksack zu einem anderen Dorfhaus zum Holen der Hopfenschere. Dem Holer wird vom Nachbarn Schnaps und Bier angeboten. Währenddessen werden Backsteine usw. in den Rucksack eingepackt. Ist der Holer schon ziemlich beschwipst, wird er unter Scherzreden noch mit Ruß angeschwärzt und muss so, aufgepackt mit Rausch und Rucksack, durch das ganze Dorf. Daheim wird er noch tüchtig ausgelacht.

Werfen der Hopfenschere.

Sind die meisten Hopfenbauern mit dem Pflücken schon zu Ende, versuchen meist junge Burschen umgesehen einem noch Pflückenden die „Hopfenschere“, bestehend aus alten Blechbüchsen und Töpfen, in den Hausgang zu werfen. Mit dem Geräusch will man die Bewohner erschrecken. Dieser Brach wird von den Betroffenen als Spott aufgefasst.
Das Werfen der Hopfenschere (siehe „Schneid oh – Messer“ in Wirtschaften) bedeutet so viel wie: „Hör endlich auch du auf zu pflücken.“ dies gilt vor allem den Säumigen, Langsamen und dem Letzten. Deshalb versucht jeder Bauer die Werfer zu erwischen um sie zu verdreschen. Andernfalls muss er Spottreden über sich ergehen lassen.

Der Niederfall

Dabei wird das letzte Sträußchen gezupft, die Hopfentafel abgeräumt. Es folgt das „Hopfenmahl“ bestehend aus Bier, Schnaps, Brot, Wurst, Emmentalerkäse, eventuell Kaffee und Nudel. Anschließend feiert man mit Musik, Tanz und Unterhaltung.



Auch in Walting wird ein nicht Eingeweihter beim „Niederfall“ damit beauftragt, bei einem Bauern des Dorfes „die Hopfenschere“ zu holen. Von diesem erhält er eine besonders große Portion Schnaps. Der Bauer bindet altes Eisen u. große Steine in einen Sack, der fast nicht zu schleppen ist. Kommt der Hereingelegte mit seiner Last zurück, dann wird er richtig eingerußt und ausgelacht. Die „Hopfenschere“ wird ausgepackt, es wird gesungen und auf Kosten der Hopfenbauern ordentlich gezecht. Es gibt Bier, Schnaps, Emmentaler, Brot, Nudeln usw. Um Mitternacht werden die Zupferlöhne ausbezahlt,

4. Johannisfeuer


a) In Pleinfeld, Schambach, Dietfurt, Walting wird an Johanni ein Johannisfeuer geschürt.

b) Das Holz sammeln die Jungen von Haus zu Haus.

c) In Pleinfeld rufen sie dabei auffordernd:

„Steuer für's Sonnwendfeuer!“

In Pleinfeld wird vom Sonnwendfeuer ein tüchtig angekohlter Span oder Prügel mit nach Hause genommen und zum Schutz gegen Feuergefahr unter das Dach gesteckt.

5. Die Kirchweih


a) In Mischelbach, Nennslingen und Suffersheim wird an der Kirchweih noch heute ein Kirchweihbaum aufgestellt. In vielen Orten ist dieser Brauch abgekommen, weil man am ersten Mai einen Maibaum aufstellt.

b) In Fiegenstall wurde noch um das Jahr 1900 der „Betz“ ausgetanzt.
Auch in Höttingen bestand früher dieser Brauch

c) In Fiegenstall wird seit 1900 der Betz durch Küchlein ersetzt.In Dietfurt und Schambach wird ein „Säusack“ (d.i. ein Presssack oder Schwartenmagen..) ausgekartet. Wer ihn gewinnt, dem wird hinten ein Eichkätzchenschwanz angehängt.

d.) In Langenaltheim zogen früher die Kärwanarren von Haus zu Haus. Doch ist dieser Brauch dort schon lange abgekommen.

e) In Suffersheim ziehen die Kärwanarren heute noch um und in Oberhochstatt wird der Kärwabär umeinandergeführt.

In Nennslingen tritt am Vormittag des Kirchweihsonntag ein " Kärwabär " auf. Ein Bursche ist mit Stroh umwickelt, hat schwarze Hände, schwarzes Gesicht und trottet wie ein Bär umher. Sein Treiber trägt eine lange Peitsche mit einer Schweinsblase. Damit schlägt er weniger den Bären als viel mehr die neugierigen Kinder. Während Bär und Treiber zu Fuß gehen, fahren die übrigen „Zechbuben“ mit einigen Musikanten auf einem Leiterwagen und singen Kirchweihliedchen, Von jedem Haus erhält der Zug Geschenke (Eier, Küchle, Zigarren, Zigaretten oder Geld). Alles Essbare wird von den Zechbuben als Montag-Mittagessen verzehrt, die Zigarren und Zigaretten werden geraucht und das Geld wird gemeinsam verzecht.

In Rothenstein schlägt die " Kärwasau " die des Weges kommenden Leute und Kinder, wirft sie in den Graben und treibt noch andere Unarten. Dafür wird sie von den Beteiligten geschlagen.

f) Am Kirchweihsamstag um 24 Uhr wird in Langenaltheim die „Kärwasau“ ausgegraben und geholt. Die Zechbuben eines jeden Wirtshauses haben für ihre Kärwasau ihren besonderen Platz hinter einer Hecke außerhalb des Dorfes, aber doch ganz in dessen Nähe. Die Burschen haben mit Bändern, und Buschen geschmückte Hüte auf. Nach dem Ausgraben geht’s unter Singen und Johlen zum Wirtshaus, wo gezecht wird. Am ersten Kirchweihtag (Sonntag um 14 Uhr werden die Mädel mit Musik abgeholt (à zusammengeblasen). Am Kirchweihdienstag ziehen verkleidete Burschen mit alten Körben und Butten durch’s Dorf. Auf einem Säukarren wird die „Kärwasau“, ein in Stroh eingebundener Bursche, mitgefahren und vor das Dorf hinausbefördert. Dort wird eine Schachtel, die ein Paar Bratwürste enthält, unter Lärm, Gesang und Ansprache eingegraben. Während des Umzuges werden Eier und Würste gebettelt. Dann zieht alles wieder in das Wirtshaus zurück. Hier richtet die Wirtin zum Schmaus für die Zechbuben Spiegeleier (Ochsenaugen). Mit Musik und Tanz endet dann auch diese Nachfeier. Der Brauch, besonders das Singen der verzerrten Lieder religiösen Inhalts, wurde durch den Ortsgeistlichen stets bekämpft und wird auch mit der Zeit aufhören, da unsere Jugend für derartiges keinen Sinn mehr hat.

Die Solnhofener Kirchweih findet alljährlich am Sonntag nach dem Vitustag (15.6.) statt. Am Nachmittag des 3.Kirchweihtages (Dienstag) fertigen junge Burschen (die „Zechboum“) in einer Wirtschaft aus Stroh und alten Kleidungsstücken eine mächtige Strohpuppe, die sog. „Kirwäsau“. Andere Burschen nageln aus Latten und Stangen eine Tragbahre zusammen, auf welche die Kirwäsau gelegt wird.
Bei Eintritt der Dunkelheit wird ein „Leichenzug“ aufgestellt. Voraus geht hemdärmelig, ohne Kopfbedeckung und mit einer weißen Schürze angetan, einer der Zechbuben, der durch sein lebhaftes Peitschenknallen einen weniger angenehmen Ohrenschmaus bietet. Ihm folgen junge Leute, welche mit Mund- und Zugharmonikas, mit Topfdeckeln und anderen Instrumenten eine schauerliche Trauermusik erzeugen. Darauf folgen die Träger mit der Kirwäsau. Ihr folgen die „leidtragenden“ Zechbuben. Den Schluss bildet eine große Menge neugieriger großer und kleiner „Kinder“. Der Zug bewegt sich zur Altmühlbrücke, auf welcher Halt gemacht wird.
Die Kirwäsau wird hier von der Tragbahre genommen, an einer Gabel aufgespießt und hochgehoben, dass sie von den „Hinterbliebenen“ gesehen werden kann. Sie wird von den nächsten umstehenden mit Birkenruten und mit der Peitsche geschlagen und allerlei Schabernack mit ihr getrieben. Hierauf wird Ruhe geboten. Einer der Zechbuben besteigt einen Stuhl und hält eine humoristisch gehaltene „Leichenrede“, die von den „trauernden Hinterbliebenen“ öfters mit „herzzerreißendem Wehklagen“ unterbrochen wird.
Nachdem die Zechbuben von der Kirwäsau Abschied genommen haben, wird dieselbe mit Petroleum übergossen, angezündet und in die Altmühl geworfen. Birkenruten, die Tragbahre und einige inzwischen geleerte Ma3krüge folgen nach. Während die Kirwäsau brennend auf der Altmühl weiterschwimmt, vergießen die „Leidtragenden“ die bekannten „Krokodilstränen“ und singen ihr ein „rührendes Abschiedslied“ nach.
Nach dieser Kirchweihsitte, die im allgemeinen den Abschluss der Solnhofener Kirchweih bildet, marschieren die Zechbuben wieder in ihre "Zechstube" zurück, wo sich noch ein entsprechender „Leichentrunk“ anschließt.



f) Weit verbreitet ist das Kirchweihliedchen

Heut' is Kärwa, morg'n is Kärwa,
übermorgn in ganz'n Tog,
tanzt der Bauer mit der Bei'ri
zöberst drom in Taubenschlooch.
Fallt a Trumm vom Doch ro,
schlagt in Bauern d' Noosn o.

In Nennslingen singen die Zechbuben an der Kirchweih folgendes Liedchen

Heit is unser Körwa,
heit versauf mer unser Geld,
moring kummer in Himml,
wos froug mer nach der Welt.

Obber unser löibs Körwala, geïht halt schöi u. schöi u,
wer net recht suafa kun, hout nix davu.

A Körwa is lusti, die Körwa is dou,
die Alte die brumma, die Junge sind frou.
Herzens löibs Schozerl, schau nauf auf den Kranz,
wer wois, wer aufs Jahr umen Tannabaum tanzt.

Heit bin i Plotzknecht, heit freit mi mei Lehn,
heit hout mir mei Vota zwanzg Pfenning mitgebn.

Dou draußen auf der Brugg, dou zühlt der Bou sei Körwageld,
mit der Achsel hout er zuckt, 3 Zwanzger homm nern gfehlt.

Die Nennslinger Zechboum san alle wohlauf,
die stelln i der Körwa an Tannabaam auf.

Etzt möi mers bald schleïßn, jetzt möi mer bal göi,
sunst kunntn die alten Weiber in Tanzboden durchstöih.

Wenns Jahr amal Körwa is nit euchelfrisch,
pfeif i auf Körwa nauf, löiber is nit.

Unser löibs Körwala geht bald zu End, zu End,
wer nit recht gsufa hout, der hout nixn könnt.

Alles soll lusti sei, alles wohlauf, wohlauf,
was nit ie Kerm nei geïht dema ohm draaf.

Auf unser Körwa frei mi, dau tanz ie mit de Breieri,
döi hout e zrisnz Hemadt u, dou henke mi hint dru.

Musikanten spielts auf, laßt Soitn klinga,
nou lou me glei wider an Zwanzger springa.

Öitz homa o'gschnitten, öitz homa o'gmaht,
öitz halt ma unser Körwa und tanzen schöi schtad.

Heit is Körwa, morgn is Körwa übermorgn in ganzen Tog.
Tanzt de Bauer mit der Beierie zeiewerscht drobn am Tauberschlog.

Heit is a su drecki, heil is a su noos,
heit wißn die alten Weiber gwieß a widder wos.
Scheï rund rum, scheï rund rum gehts Tanzen so gut
wie de Wind geht, wie de Wind geht , so setzt i mein Hout.

Ich geïh net heum bis Geckerl kraht,
i geh net heum bis Tog.
Und wenn mei Bauer a Ärbert schaff,
nou sogi: wenn i mooch.

In Walting singen sie:

Auf die Kirwa muß ma geh'a,
bekommt man nichts, dann schmeckts doch schea.

Heut is unsre Kirwa.
Wenn wir auch ka Geld net hoam,
doch is unsre Kirwa.

Nennslinger Körwagschdanzln

Und in Lehmeier sanni Zechboum
san alli wohlaaf ja
dei schdelln an der Körwa an Tannabam aaf.

Etz trink mer a mal rum u
nd nou kummts zu mir oo
mei Hols is su trucka
und an Durscht hob i oo.

Wenn di Nennslinger kumma,
nou mouß die Welt brumma
und brummt die Welt net, s
ans die Nennslinger net.

Und wenn´d Nennslinger kumma,
nou is halt a Leem,
un nou soong di schöin Madli:
„Heit meamers her geem!“

Und heit meamers her geem
und heit geem mers gern her,
und nou mach mer denni Boum
sanni Beiterli leer!

Obber mir san kani Krauterer,
ba uns baut mer Roum
mir sen halt die lustign
nennslinger Boum.

Und der Geldbeitl is z´rissn
unds Schluß is verroscht
ja des is halt ka Wunder,
wenns Böier su vüll koscht.

Obber a Böier mou mer trinka,
an Rausch mou mer hoom
sunscht kummt ma net nei
in den Moskauer Groom.

Und i und mei Fritz,
mir saufa dass blitzt
und wenn koiner mehr sauft,
saufm i und mei Fritz

Und i und mei Fritz,
mir san halt a poar
mir rupfa di Weiber
und verkaffa ihr Hoar.

Und wos is denn dou drinna,
wos schaut denn dou raus?
Und dies klois Trepfla Böier,
dies trink mer nu aus.

Und ihr altn Weiber,
hockts aaf enker Brülln,
nou kennter, wenn er hamm kummt
vo der Kerwa verzülln!

Und etz meamer halt schleißn,
etz meamer halt geih,
suscht mein die altn Weiber
nu länger dou steih.

Ober lustig seids jungi Leit,
denkts an die Ewichkeit!
Schterm mei mer allzumal,
und vielleicht ball.

Und unser Körwala geiht
halt zu end, zu end
wer net recht gsuffa hout,
der hout nix kennt.


Kirchweihtermine:

Büttelbronn am Sonntag nach Himmelfahrt,
Rehlingen am 1.Oktobersonntag mit dem Erntedankfest,
Emetzheim am 2.Septembersonntag,
Fiegenstall am 3.Oktobersonntag (Allgemeine Kirchweih),
Höttingen am 2.Oktobersonntag,
Langenaltheim am Sonntag nach Willibald
Mischelbach: a,) Die Ottokirchweih (Kirchenfest)Mitte Juli,
b.) Die Allgemeine Kirchweih (am 5,0ktobersonntag)
c.) Die Hasenkirchweih.
d.) Die Ganskirchweih in Kleinweingarten
(ein Ort, der zur Pfarrei Mischelbach gehört).
Nennslingen am Sonntag nach Bartolomä.
Oberhochstatt am ersten Julisonntag
Pleinfeld wird gefeiert
a.) eine besondere Kirchweih am 3. Septembersonntag.
b.) Die Allgemeine Kirchweih am 3.Oktobersonntag,die von mehr Ein wohnern und feierlicher begangen wird, als die besondere Kirchweih.
Reuth am Wald am letzten Sonntag im Juli
Rothenstein am 1.Julisonntag,
Dietfurt und Schambach am letzten Septembersonntag,
Solnhofen am Sonntag nach dem Veitstag,
Stopfenheim am 3.Oktobersonntag (Allgemeine Kirchweih)
Suffersheim am Sonntag nach Michaeli
St.Veit am Sonntag nach, dem 19.0ktober
Detteneheim am 3.Oktobersonntag (Allgemeine Kirchweih)
Walting am 3.Oktobersonntag (Allgemeine Kirchweih)
Weimersheim am 1. Septembersonntag

6. Erntedank


In Büttelbronn und Rehlingen werden zum Erntefest Küchlein gebacken.

In Langenaltheim sagt man:
„Wenn das letzte Sammlet liegen bleibt, dann stirbt jemand.“

7. Pälermärtl und Nikolaus


Der Name Pelzmärtl kommt von Pelz – Martin (Legende von Sankt Martin!)

In meist evangelischen Gemeinden wie Büttelbronn, Rehlingen, Emetzheim, Höttingen. Langenaltheim, Mischelbach, in Nennslingen (nur vereinzelt), in Oberhochstatt, Pleinfeld, Reuth am Wald, Rothenstein, Dietfurt, Schambach, Solnhofen, Suffersheim und Weimersheim kommt zu den Kindern am 11.November der Pelzmäntel (Nußmärtel – bringt Nüsse, Rollermärtel).

In meist katholischen Gemeinden wie Fiegenstall, Mischelbach, Pleinfeld, Reuth a. Wald, Stopfenheim, St. Veit, Walting, Weimersheim, in Rothenstein (nur bei kath. Familien) kommt zu den Kindern am 6.Dezember der Nikolaus.

8. Abklopfen



In Weimersheim wurde das „Abklopfen“ an den letzten Donnerstagen vor Weihnachten bis 1900 geübt. In allen übrigen Orten war es nie eingeführt. Verse wurden dabei nicht gesprochen.

9. Schlachtfeste


Besondere Bräuche bei den Schlachtfesten sind noch üblich in Büttelbronn, Rehlingen, Emetzheim, Fiegenstall, Höttingen, Langenaltheim, Mischelbach, Nennslingen, Oberhochstatt, Pleinfeld, Reuth am Wald, Rothenstein, Dietfurt, Schambach, Solnhofen, Stopfenheim, Walting.

Am weitesten ist das „Wurstfahren“ (auch „Spießrecken“ genannt) verbreitet. Die Wurstfahrer oder Spießrecker sind verkleidete Burschen oder Mädchen. Sie holen einen Anteil von der Schlachtschüssel, der in der Rockenstube gemeinsam verzehrt wird. Die Spießrecker sagen folgendes Verslein auf:

Regga, regga Spieß, a Würstla (a Leberla, a Speckla) ist mir g'weiß.

I hob' g' hört, ihr habt g’schlacht und habt recht lange Würscht g'macht
drum gebt uns von den .langen und lasst die kurzen Würscht hangen.

In Walting tragen die Wurstfahrer aus Stroh geflochtene Gamaschen.

In Dietfurt und Schambach werden die Kinder scherzweise zum Nachbarn geschickt mit dem Auftrag, dort „Broutworschtbändel“ (die es nicht gibt) zu holen.
In Oberhochstatt ist das „Bartreiben“ ein Brauch unter den Kindern. Einem Kind, bei dem gerade Metzelsuppe ist, wird mit den Worten „dass dir’s besser schmeckt“der Bart mit Pfeffer, Salz oder Schnee eingerieben.

10. Weihnachtsbräuche

In Pleinfeld wird in der „Heiligen Nacht“ das Vieh im Stall mit Weihwasser besprengt, damit ihm kein böser Nachbar Schaden antun kann.
Auf das Wetter der „Unternacht“ (das sind die Nächte zwischen dem 25.Dezember und 6. Januar) wird stark geachtet. Wie das Wetter in diesen 12 Nächten ist, so wird es in den
12 Monaten des kommenden Jahres werden.
Während der Zeit von 25.Dezember bis 6.Januar darf nicht gewaschen werden, sonst gerät die Wäsche das ganze Jahr hindurch nicht.

In Schambach und Dietfurt werden am „Heiligen Abend“ 12 Zwiebelschalen mit Salz gefüllt. Jede Schale trägt einen Monatsnamen. In den Monaten, in deren Schalen das Salz zergeht, wird im kommenden Jahr viel Regenwetter sein.

Solnhofen
1.) Während der Zeit der "Unternächte" soll man die Zehen- und Fingernägel nicht schneiden, auch die Kopfhaare nicht schneiden lassen, Tut man dies dennoch, so muss man gewärtig sein, dass man 7 Jahre eher stirbt. Dabei entstehende Wunden sollen nur schwer heilen,2.) In den Unternächten soll man keine Wäsche aufhängen, sonst hängt der „Schinder“ auf, d.h. man büßt ein Stück Vieh ein.5.) Ißt man in genannter Zeit Erbsen, so sollen sich am Körper Furunkeln bilden.4.) Rinder und Schweine sollen „Kröpfe“ bekommen; wenn der Bauer in genannter Zeit die Schuhe schmiert.5.) Frauen sollen während der Zeit der Unternachte nicht flicken, sonst flickt der Arzt an der betreffenden Person, d.h. er muss an ihr eine Operation vornehmen.
6.) Der „Zwiebelkalender“ soll dem Bauern verraten, wie das Wetter in den verschiedenen Monaten des kommenden Jahres wird (siehe Schambach!).

11. Das Pfeffern

noch geübt in Fiegenstall und Höttingen Mischelbach, Pleinfeld, St.Veit und Walting.
In Büttelbronn und Langenaltheim heißt es Fetzeln.

In Büttelbronn sammeln arme Kinder von Haus zu Haus Gaben unter Aufsagen des Sprüchleins!
Fetzlastrauß bring Glück ins Haus!

In Langenaltheim sprechen die Kinder:

Fetzlas Strauß, Glück ins Haus!
Oder i werf' dir a alte Katz ins Haus.

oder

Schärtling raus! Glück ins Haus!

Mit einer Rute von einem Nadelbaum (Wacholderstrauch) werden die Füße geschlagen.

In Mischelbach ziehen die Kinder mit Taschen von Haus zu Haus, streichen den zu Pfeffernden mit selbstgefertigten Ruten um die Füße und sprechen dabei:

„Pfefferlesgut is no net gut?“

Sagt dann der Betroffene:

„Is scho gut“,

dann hören die Kinder mit dem Pfeffern auf und empfangen Plätzchen oder Lebkuchen oder ein Stück Brot oder eine Nudel oder auch Geld.

In Pleinfeld sprechen die Kinder beim Pfeffern:

„Pfefferles guat, i s'gs'chmalz'n,
is gsalz’n, is guat gwe'n“.

In St.Veit sind folgende Verse gebräuchlich:

1. PfefferIa Bua, Pfefferia Bua, is no net bald Ruah?
2. Pfefferla Guat,Pfefferla Guat. is gschmalzn, is gsalzn,, is no net bald guat?

In Walting gehen Jungen und Mädel am „Tag der unschuldigen Kinderaufs Pfeffern von Haus zu Haus. Mit gebündelten Reisern schlagen sie die Leute auf die Füße und rufen:

„Pfefferlas Gut ist'no net bald gut, is g'salz'n, is g'schmalzn.“

Dann bekommen sie Plätzchen, Nüsse, Äpfel oder Geld.

Bas Pfeffern findet in allen aufgeführten Orten am „Tag der unschuldigen Kinder“ (dem 28. Dezember) statt.
Das Fetzeln in Büttelbronn am Morgen des 2. Weihnachtsfeiertags (26. Dezember –Stephanstag)
In Langenaltheim einen Tag später (27.Dezember, am Tag nach dem Stephanstag).

12. Dreikönigstag

In Mischelbach wird am 6.Januar Wohnung, Küche und Stall mit eigens geweihtem Weihrauch ausgeräuchert. Auf dem oberen Balken des Türgerüstes wird angeschrieben:

19 K + M + B + 42

In Pleinfeld meidet man am Hl. Dreikönigstag möglichst den Umgang mit der Allgemeinheit. Alle Räume des Hauses, auch der Stall, werden mit Weihrauch ausgeräuchert, mit Weihwasser besprengt und an die Türen werden mit Kreide die Zeichen

19 K + M + B + 42

geschrieben. Jedem Stück Vieh wird etwas Salz auf die Zunge gelegt. Weihrauohkörner, Kreide, Salz und Wasser werden tags zuvor in der Kirche geweiht.

Auch in Stopfenheim zieht man am Dreikönigstag durchs Haus und beschreibt mit geweihter Kreide die Türen.



In Walting werden am 6. Januar mit geweihter Kreide die hl. drei Könige (Kaspar, Melchior und Balthasar) zur Fernhaltung des bösen Feindes an die Türen geschrieben.

--> Nach heutigen Erkenntnissen müsste es heißen:

Christus mansionem benedicat
Christus segne dieses Hausalso20 C + M + B 05

13. Fasnacht

In Pleinfeld treten an Fasenacht au: Der Flooklesdieb, der Strohbär, Eulenspiegel mit Schellengewand und Stoffhörnern, der Löl (auch spottweise Hummel genannt) mit uralter geschnitzter Gesichtsmaske.

Der „Flecklesdieb“, auch Flecklesmo (-mann) genannt, trägt einen einfachen Rupfenanzug, welcher mit allerlei bunten Stoffrestchen besetzt ist. Mit Peitschenknallen jagt er die Jugend vor sich her (in Hilpoltstein noch üblich).

Der „Strohbär“, ein vom Kopf bis zum Fuß in Stroh eingehüllter Bursche, wird von einem Treiber an einer Kette oder einen Strick durch den Ort geführt und zum Brummen und Tanzen gezwungen. In den letzten Jahren wurde dieser Typ nur mehr durch Kinder dargestellt.

Der „Löl“, wegen seines Brummens, das sich mitunter bis zum Brüllen steigert, schimpf-haft auch „Hummel“ genannt, ist in Drillich gekleidet und trägt vor dem Gesicht eine originelle holzgeschnitzte schwere Maske. Derartige Masken sollen auch in Spalt anzutreffen sein. Die Pleinfelder Gesichtsmasken sind uralt und vererben sich in 5-6 Familien von Geschlecht zu Geschlecht. Diesen Typ stellen nur ältere Burschen. Der „Löl“ (auch Löll) jagt mit Brummen und Brüllen Jugend, besonders die Mädchen (auch größere) vor sich her und schnalzt mit einer langen Peitsche. Von den Kindern wird er mit dem Ruf „Hummel“ gereizt und verfolgt sie dann. Wer von ihm erwischt wird (besonders hat er es auf die Mädchen abgesehen), wird solange ausgepeitscht, bis er/sie in die Hocke geht, die Beine mit den Röcken oder dem Mantel schützt und um Gnade bittet. Geschenke werden an die bezeichneten Typen nicht verabreicht.

In Mischelbach tritt an der Fasenacht der "Foserlö" auf. Er trägt alte Kleider, eine Larve und hat eine Peitsche.

In Fiegenstall u. Höttingen trat früher an Fasenacht der Strohbär auf. Doch ist dieser Brauch ganz abgekommen.

Langenaltheim
Wenn während des vergangenen Jahres etwas Ungeschicktes angestellt wurde, dann wird es an der Fasenacht öffentlich gespielt..

Kinder laufen an verschiedenen Orten herum und erbitten mit dem Ausspruch

Maschgerla hat Hunger

eine kleine Gabe.

Andernorts (vor allen auch in Dornhausen) singt man:
Lusig ist die Fasenacht (Fosernoochd)
wenn mei Mutter Küchle (Ke-ichli) backt.
Wenn sie aber keine backt,
pfeif ich auf die Fasenacht!

14. Begraben der Fasnacht

Das Begraben der Fasenacht kannte man nirgends.

In Treuchtlingen und Suffersheim wurde es wieder eingeführt. (Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch) Der Fasching wird dort gebührend zu Grabe getragen.

15. Sonstige Bräuche

In Büttelbronn schießen die Burschen des Dorfes ihren Mädeln am Sylvester um 24 Uhr das Neue Jahr an.
In Oberhochstatt ist das Neujahrwünschen weit verbreitet. Die gebräuchlichsten Neujahrwünsche werden nachstehend aufgeführt:



Ich wünsche euch zum neuen Jahr,
viel Glück und Segen immerdar,
Gesundheit und ein langes Leben,
das mag der liebe Gott euch geben.
Das ist mein Wunsch zum neuen Jahr;
Herr Jesu, mach’s gewisslich wahr.

Ich wünsche euch aus Herzensgrund
ein neues Jahr zu dieser Stund,
ein neues Jahr -und Glück dabei,
und euch dazu Gottseligkeit:
Gott lass euch recht viel Jahre leben
und endlich in den Himmel schweben.
Das ist mein Wunsch zum neuen Jahr,
Herr Jesu mach’s gewisslich wahr.

Ich wünsche euch aus Herzensgrund
ein neues Jahr zu dieser Stund,
daß Gott der Herr auch bei euch sei
und auch das Jahr gesegnet sei.
Das ist mein Wunsch zum neuen Jahr;
Herr Jesu, mach’s gewisslich wahr.

Ich bin ein kleiner Hutzelbutzel
eß gern Äpfelschnitz und Hutzel.
Prost Neujahr
gebt mir meine War
lasst mich nicht lang stehn
muß gleich wieder geh'n.



Heut zum neuen Jahresfeste,
wünsch ich euch das Allerbeste
und das liebe Jesulein
schließ das ganze Haus mit ein
Gott mög euch den Segen geben
Fröhlichkeit und langes Leben.
Gott beschütz euch vor Gefahr,
das ist mein Wunsch zum neuen Jahr!

Ich wünsche euch ein glückselig neues Jahr,
einen gesunden Leib und ein langes Leben
und alles was Nutz und gut ist an Leib und Seel.

Lauter Glück und frohe Zeiten
bringe euch das neue Jahr
Gottes Schutz mög euch begleiten
dieses wünsche ich fürwahr.
Sollten einmal Sorgen kommen
Sorgen werfen wir hinaus.
Nur was eurem Wohl mag frommen,
lassen wir hinein ins Haus.

Jch wünsche dir ein Blumenbeet,
das ringsumher voll Blumen steht,
so viele Stern am Himmel stehen,
so viele Jahre sollst du leben,
lebe glücklich, lebe hoch,
viele, viele Jahre noch.

Jch bin ein kleiner Mann,
der nicht viel wünschen kann,
ich wünsch euch alles Glück,
was Gott vom Himmel schickt.

In Geislohe trifft sich die Dorfbevölkerung in der Neujahrsnacht am Hirtenhaus. Schlag 24 Uhr begrüßt man das neue Jahr mit dem Lied "Nun danked alle Gott"

Hochzeit


In Oberhochstatt fährt der Kammerwagen

Die Kinder gehen von der Schule heim, aber die Martha ist nicht dabei. „Ist sie denn krank?“ fragt ein Mädchen. Der Jacki schüttelt den Kopf. „Nein, nein! Ihr Bruder, der Schmiedfritz, hat doch am Sonntag Hochzeit. Drum darf sie heute mit dem Kammerwagen fahren.“ Ja, so ist es. Da krachen in der Ferne schon die ersten Schüsse. Die Brautkutsche fährt zum Dorf herein. Dort kommt sie. Der Schmiedfritz sitzt drinnen und neben ihm seine Braut. Sie hat eine feine Schürze an mit bunten Blumen drauf. Einige Burschen haben ein Seil über die Straße gespannt, deshalb müssen die Pferde anhalten. Der Bräutigam gibt einem Burschen Geld und sagt: „Kauft euch ein paar Maß Bier davon!“ Gleich wird das Seil aufgerollt und das Brautpaar darf wieder weiterfahren. Hinter der Kutsche fährt der Kammerwagen. Zwei geschmückte Pferde sind davor gespannt. Die müssen tüchtig anziehen, denn der Wagen ist sehr voll geladen. Betten sind darauf, Tische und Stühle, ein Schrank, ein Waschtisch, ein Spinnrocken, Töpfe und Kannen, ein Butterfaß, ein Kinderwagen und sogar ein funkelneues Fahrrad. Ganz oben aber ist ein Sofa. Da sitzt die Martha darauf. Sie lacht über das ganze Gesicht. Sie ist heute sehr stolz und sehr glücklich. Kaum hat sie ihre Schulfreundinnen gesehen, da wirft sie ihnen schon aus einer Tüte Strietzel herunter. Das sind kleine Hefenküchlein mit recht viel Zucker. Die Mädchen fangen das Backwerk auf und legen es in ihre Schürzen. Einige Strietzel aber fallen in die Wasserlachen. Doch das kümmert den Jocki gar nicht. Er hebt sie auf und wischt sie bloß an seinem Kittelärmel ein wenig ab. Dann isst er sie. Und sie schmecken ihm ausgezeichnet. Der Bub hat heute einen guten Tag, weil der Schmiedfritz am Sonntag Hochzeit feiert.

Beschreibung des Brauchtums bei einer Bauernhochzeit
zusammengestellt von Hans Kraft (Wettelsheim etwa um 1924)Ich werde das mir von Herr Glöckel für ein paar Tage überlassene Heft von Hans Kraft so abschreiben wie es dasteht, das heißt auch mit gelegentlichen Schreibfehlern. Das Heft ist in deutscher Schrift geschrieben. Werner Kapp

Wenn die jungen Leute das übliche Alter ereicht haben oder die häußlichen Verhältnisse es verlangen z.B. das die alten Leute die Arbeit ohne jugendliche Kraft nicht mehr bewältigen können so wird zur

Übergabe
des Anwesen geschritten. D. h. es geht der bisherige Besitz auf den Sohn oder die Tochter über und dieser oder diese muss nun

HeirathenZu diesem Zwecke wendet man sich in der Regel (wenn nicht andere Verhältnisse schon eine Zwangsheirath vorgesehen haben) an einen im Orte damit betrauten Mann den sogenannten

Kuppler

Derselbe wird nun entweder befragt ob er nichts paßendes weiß oder man macht ihn in Vertrauen mit der in Ansicht stehenden Person bekannt. Zugleich wird ihr' der Verspruch gemacht wenn die beabsichtigte Heirath zustande kommt so soll er den üblichen

Kuppelpelzerhalten. Dieser Ausdruk bedeutet in diesem Sinne eine größere Summe Geldes die sich je nach den betreffenden Heirathsgute des zu verheirathenden richtet und oft zwischen 100 - 500 Mark schwankt.Nach all diesen Vorgängen ist die Möglichkeit einer Verheiradung vorhanden.Ist nun so weit alles gelungen daß beide Parteien sich über die zu gebende und erhaltente Ausnahme Heirathsgut und Aussteuer geeinigt haben so wird unter zu hilfe nähme deß Notars ein Tag bestirnt an dem den beiden jungen Leuten daß Anwesen

zugeschrieben wird.

Bei dieser Gelegenheit wird dan auch gleich der

Heirathstag festgesetzt.

Heirathstage werden in der Regel am Dienstag und am Donerstag gehalten und beginnen meist abends bei einbrechender Dämmerung sie werden meist im Elternhause der Braut abgehalten. Dazu kommen Braut und Breutigamm so wie deß letzteren Vater auserdem werden noch die nächsten männlichen Verwanden der beiden dazugeladen. Es wird gegessen und getrunken und auserdem wird von einer kundigen Person (früher vom Dorfschulzen) ein sogenanter

Heirathsvertrag aufgestellt,
Derselbe enthält nochmals die Übergabe Ausnahme und den Reukauf.
d.h. die Auszahlung einer festgesetzten Summe Geldes wenn es eines der beiden Theilen reuen sollte.
Ebenso in welchen Ratten und zu welcher Zeit daß versprochene

Heiraths – Gutnach erfolgter Hochzeit erlegt werden soll, Was die Kosten dieses Abens oder Heirathstages anbelangt so hatt dieselben die zukünftige Braut zu tragen. Ferner erhalt am Schluße dieses Aktes (der oft bis in die Morgenstunden hinein dauert) jeder von den Beteiligten Verwanden und unter Umständen auch zugezochenen Schreiber und Nachbarn Brod, Küchlein und Käß mit nach Hause in einem neien eigens zu diesem Zwek von der Braut angekauften größeren weisen Tuch (Serviette) früher in einen weisen Säkchen verpakt mit nach Hause daß der Empfänger als Eigenthum behalten darf. Die Braut erhält auch an diesem Abend vom Breutigam einen silbernen Thaier den sogenanten

Heiraths – Thaler

Der sich nicht selten auf mehrere Generationen vererbt.
Die jungen Burschen deß Dorfes sorgen in dieser Nacht dafür das von dem Hause aus wo der Heirathstag gehalten wurde

Spreuer gesäht werden.

(daß ist Gsott nicht selten mit Strohbänderknotten vermischt) und zwar zu allen demjenigen jungen Burschen und Mädchen die entweder zum Bräutigamm oder zur Braut in Verhältnissen gestanden sind oder an eines der Stellen gerne gekommen wären.

Nach Abwiklung all dieser Vorzeichen nun wird zur Beschaffung der Aussteuer oder der

Breutelware geschritten.

welche für den Breutigamm aus folgenden Gegenständen besteht. Aus 1 Bettstatt mit Bett. einen Tisch 1 paar Stuhl und einen Schrank. Für die Braut dagegen aus 2 Betten 1 Kanappe 3 Schränke 2 Komode Glasbehälter 6 Sessel 3 Tische 1 Kinderwiege oder 1 Kinderwagen, dan für die Küche eine Anricht. Schäffer zum waschen eine Krautskufe einen Fleisch Kübel einen Baktroch ,wen nicht zwei Nudelbrett

Schüssel – Rahmen

mit den dazu gehörigen Schüsseln wie beiliegende Abbildung zeigt. (Bild fehlt) Auser den zwei erwähnden Betten erhält sie noch ein extra Kopfkissen worin Jungfern - Federn d.h. die ersten gesammelten Federn von jungen Gänsen enthalten sind zu dem Zwek wen einmal ein Kind im sterben liegt und es stirbt nicht leicht so wird es auf dieses Kissen gelegt was das Sterben erleichtern soll.Nachdem alle diese Gegenstände von den betreffenden Geschäftsleuten wo sie bestellt wurden angefertigt und ins Haus deß Ausziehenden gebracht worden sind findet an einem Freitag der

Einzuch oder der Breutelwagen statt.

Der selbe besteht aus einem großen Leiterwagen worauf sämtliche Sachen von den liefernten Schreiner kunstgerecht aufgeladen und befestigt werden unten die Möbel obendrauf nach vorne die Betten in der mitte das Kanappe und nach hinten oben die Kinder-Wiege oder Kinderwagen die Schäffer und sonstige Gegenstände.
Auf dem Kanappe sitzen während der Farth 4 - 5 Jungfrauen welche aus einem Kerwle von der Abfahrt bis zur Ankunft. Durchs Dorf und wen nach auswärts durch alle durchfahrende Dörfer ganz kleine zu diesem Zwek gebakene Schmalzküchlein unter die begleitente Jugend und die Aufstellung genommenen Erwachsenen herab werfen. Dieser Vagen heist der Breutel-Wagen. Kommt nun dieser Wagen im Zukunftshause an so wird er wieder abgeladen wobei die 4 - 5 Jungfrauen die auf demselben fuhren und auch schon beim Aufladen behilflich waren sich wieder beteiligen.Der Breutigam ist verpflichtet, die Kinderwiege oder den Kinderwagen auf der Schulter ins Haus zu tragen wobei gejukst und auch geschossen wird.Die Bespannung geschieht durch 2 oder 4 Pferde dafon den hintern zwei Deichsel Pferden der sogenannte Hinterzeuch aufgelegt wird. Das sind breite Lederriemen über den Rüken und an den Seiten mit Messingscheiben sogenante Rosen wie beiliegende Abbildung 3 zeigt (Abbildung fehlt). Deßgleichen darf auch die Dachshaut und der Schlipps am Geschür des Handpferdes nicht fehlen noch weniger daß Geschell (Klokengeleute). Geschmükt werden die Pferde mit seidenen grünen rohten sogenannten Hochzeitsbändchen am Kopf an der Mähne und am Schwanz. Auch die Peitsche ist geschmückt.Der Hut des Fuhrmanns ist mit einen seidenen düchlein geschmükt ebenso der deß den Wagen begleidenten Schreiners. Auch die Pfeifen und Cigarenspitzen sind geziert.

Brautholen

Kommt die Braut Auswärts so muß sie der Breutigam in einer Scheise holen die nach dem Breutelwagen fortfährt und es auf der Fahrt so einrichtet daß sie vor ankunft des Wagens wieder im neuen Heim eintrifft. Dieses Fuhrwerk heist man dass

Kareit ( Karät)

In demselben befinden sich Braut und Breutigam so wie die Brautjungfer die

Gspiel


dieselbe führt das Spinnrad und Roken mit sich den sie zum Hochzeitsgeschenk macht und der wie nebenstehende Abildung zeigt mit großer Sorgfalt und von einer fachkundigen Hand zusammengestellt wird. Er enthält zwei Reisten Flachs aufgewikelt in demselben sind Süßigkeiten mit eingewikelt welche später beim Abspinnen herausfallen.Sodann enthält er die gesamte erstlingswäsche Schuhe Strümpfe Saugflasche Spiegel und schon die Puppen für den Erstling.Von der Abfahrt bis zur Ankunft wirft der Breutigam während der Fahrt Geldstüke heraus und zwar auf ein bestimmtes aufhalten daß dadurch geschieht daß zwei Jungen von einer Seite zur ändern der Straße einen Strik ziehen und so ein hinterniß bieten.Nachdem nun in dem neuen Heim alle Möbelstücke Kleider Wäsche und sonstige Gegenstände ihren bestimmten Platz erhalten haben wird die Arbeit des Tages mit einem Essen und Trinken beschlossen»Ist die Braut von Auswärts oder hat der Breutigam das Anwesen erhalten das ist gleich. Dieselbe geht mit den Verwanden wieder in ihr Vaterhaus.
Am andern Tage nun wird zur Hochzeit geladen dieses geschieht durch den

Hochzeitlader

Dieses ist eine passende Persönlichkeit Lehrer Bader Schneider oder dergleichen redegewanten Leute.Derselbe erhält eine Liste worauf die Namen der zu ladenten aufgeeichnet sind.
Im Hause deß zu ladenden Gastes angekommen sagt er: Einen schönen Gruß vom Breutigam so und so und seiner lieben Braut»Jungfrau so und so und sie lassen Euch auf kommenden Dinstag zu ihrer Hochzeit herzlich einladen.
Demselben muß man angeben ob man der Einladung folge leistet oder nicht, ob ein oder zwei Mann sich dazu einfinden damit man sich mit dem Hochzeitsmahle richten kann.Der Hochzeitlader trägt zur Ausübung dieses Dinstes einen mit seidenem Tüchlein gezierten Hut, sowie an der linken Seite deß Roks breite lang herabhängende seidene Bänder. (Früher waren dieselben an einem Degen befestigt, den er in der rechten Hand auf der rechten Schulter lehnent trug.Das Hochzeit laden auswärts und im Dorfe muß biß zum kommenden Montag erledigt sein.
Die Hochzeit selber findet am Dinstag mitags 12 Uhr statt.
Vom Breutigam sind zur selben 5 Mann Musik bestellt worden.
Das Brautpaar begibt sich um 11 Uhr vom Brauthause aus mit den Trauzeugen nebst der Gespiel aufs Standesamt von da zurük in das betreffende Wirtshaus wo die Hochzeitfeier stattfindet.

Nun muß der Breutigam und der Vater von der Braut den Geistlichen in seiner Behausung abholen und ihn ins Wirtshaus begleiten.Derselbe erhält nun dort angekommen Wein und Confekt und wird gegenseitig zugetrunken.
Auserdem erhält derselbe ein weißes seidenes Tüchlein (Serviette )welches er über den Linken vorder Arm und eine Citrone in welcher ein Rosmarinzwelg gestekt ist in der linken Hand trägt.
Unter Kirchen – Geläute und vorantritt der Musik folgt nun der Geisliche neben dem Breutigam, dann die Väter des Brautpaares und sodann die üblichen männlichen geladenen Gäste, je zwei und zwei. Jeder mit geziertem Hut und einem Rosmarinzweig auf der linken Rokseite.

Dann folgen im Zug die Braut nebst ihrem Führer und die Gespiel nebst ihrem Führer, beide junge Burschen mit gezirtem Hut und langen Degen in lederner Scheide. Der Griff mit seidenen Bändern gezirt, in der linken Hand auf der linken Schulder lehnend tragend.Der Dienst des Brautführers besteht darin das derselbe in der Kirche die Braut zum Altar von ihrem Stand aus begleitet und nach der volzochenen Trauung dieselbe ebenfals wieder zurük zu ihrem Platze bringt.
Während der Gespiel - Führer in der Kirche keine Funktion zu vertretten hat.
Den Schluß des Zuges zur und aus der Kirche bilden die beiden Mütter deß Breutigams und der Braut.
Obiges Bild zeigt Breutigam und Braut, letztere mit Brautkranz den nur keusche Jungfrauen zu tragen berechtigt sind.
Die vorausgehende Musik spielt zur und aus der Kirche den Coral Seelenbreutigam,
Beim Ausgang aus der Kirche wird von den Schuljungen welche das Hochzeit - Läuten besorgen die Gäste passieren lassen nur Braut und Gespiel werden eingesperrt d.h. es wird ihnen die Türe vor der Nase zugemacht dann müssen beide ein Trinkgeld bezahlen und sie werden freigelassen. Beiliegendes Bild zeigt den Hochzeitszug.
Wenn es nun auf dem Wege der Braut auf den Schurz rechnet so sagt man sie wird sehr reich.
Der Zug geht nun von der Kirche in derselben Ordnung wieder zurük ins Wirtshaus.
Nachdem der Breutigam und der Vater der Braut den Geistlichen heimbegleitet und ihn wieder mitgebracht haben, beginnt der Tanz der sogenannte

Breutel – Tanz

Denselben eröffnet der Brautführer mit der Braut, wobei er der Musik folgende Lieder vorsingt welche dieselbe nachspielt und er nur allein Tanzen darf.

In der rechten Hand Braut in der linken den Degen
so hat mir mei Nachbar sei Braut übergem.

Mei Voter hat gsacht heut führ dich braf auf
wenn zwanzger net lange thust vetzgerli drauf

Und jetzt homer drei gmacht und et z mach mer nu drei
der lustige Gspielführer trette herbei
- Worauf derselbe mit Gespiel auch mit Tanzen darf.

Die nachsäen 3 Lieder singen sie gemeinschaftlich.

Daß letzte lautet.
Und etz hom mer drei und etz mach mer nu drei.
Ihr lustin Kameraden kommt alle herbei.

Worauf dann zum Tanzen beginnen nur der Breutigam darf nicht tanzen. Er muß zusehen.
Nachdem der Tanz beendet ist wird mit dem Essen begonnen.
In dem Saale wo das Hochzeitmahl eingenommen wird ist folgende Tisch - Ordnung aufgestellt
Der vordere Tisch ist der

Braut – Tisch

Derselbe ist daran kenntlich weil ober ihm in der Zimmerdeke der Braut - und Gespielführer nach Beendigung des Tanzes ihre beiden Degen kreuzweise eingesteckt haben.An ihm nehmen Platz der Breutigam und Braut. Gespiel Braut und Gespielführer Pfarrer Lehrer Vater des Breutigams und der Braut.(der Eintrag: „Die Pathinen der beiden so wie noch etliche nahe Verwande ältere Frauen“, war durchgestrichen.)

Nun kommt der

Weiber – Tisch

An ihm befinden sich die Mütter des Breutigams und der Braut die Pathinen der beiden Brautleute so wie noch etliche nahe Verwande ältere Frauen.
Nun folgen an den übrigen Tischen die anderen Hochzeitgäste je 8 Mann an einem Tisch gerechnet.
Nach der Heimkunft von der Kirche haben sich auch weitere Teilnehmer eingefunden nähmlich für jeden einheimischen Hochzeitsgast ein weiterer Angehöriger aus demselben Hause derselbe muß dem wirklichen Hochzeitsgast den Kirchenrok abnehmen und ihm einen anderen mitbringen, sowie das von ihm nicht verzehrte Essen mit nach Hause nehmen .Diese Personen nennt man

Maurer

und die Fuktion heist Mauern.

Diese Gäste werden während ihrer Anwesenheit mit Käß und Bier bewirtet.
Der alte Weiber - Tisch wird von der Bezahlung des Mahles ausgeschlossen und muß der Breutigam die Kosten tragen.
Das Hochzeit - Essen besteht aus folgendem; Suppe mit Rindfleisch nebst Gemüse. Das Fleisch ist in portionen geteilt. Jeder Gast hat Teller Gabel und Löffel, nur der Braut wird der Löffel zurükbehalten und sie muß ihn verlangen dann wird ihr derselbe auf einem Teller zugetragen gegen Erstattung eines Trinkgeldes an den Überbringer.
Ebenso erhält jeder Gast einen eigens hizu gebakenen kleinen weißen Brotlaib nebst einer Semmel.
Als weiteres Essen kommt Sauerkraut mit Schweinefleisch Hier erhält die Braut den Schwanz des Schweines welcher mit seidenen Hochzeitsbändchen geziert ist.
Kurz nach dem Essen nun begibt sich die Gespiel an alle Tische und wirft aus einem Körbchen Süßigkeiten über die tische hinein welche sich die Gäste aneignen.Ist die Mahlzeit beendet so wird vom Hochzeitlader und vom Breutigam das schon vorher bekannt gegebene wie viel zu zahlenden sogenannte

Mahl eingehoben,

welches in der Hohe von 5 Reichs - Mark besteht«Nach diesem kommt ein Weibsbild welche in der Küche beschäftigt war mit einem messingen Schöpflöffel und einem Schurz in welchem absichtlich ein Loch hineingebrannt ist und hebt dafür

Brandsteuer ein,

welche ihr in den Löffel geworfen wird und heist es geht der

Pfeffer - Löffel herum.

Es werden in der Regel 20 Pfennige pro Person gegeben.
Nach den Einhebungen beginnt abwechslungsweise Tanz und Gesang. Abends wenn das Licht angezündet ist, wird zum letzten mahle gegessen und gibt es Suppe und Schweinebraten sodann erhält noch jeder Gast ein Blut und Leberwurst und der Hochzeit - Lader die größte oder den Sau – Sak.
Nachdem die Hochzeit ihren Verlauf bis nachts 12 Uhr getauert hat. Wird vom Hochzeit - Lader eine Ansprache an alle Hochzeit Gäste gehalten welches man die

Abdankung heist.

während dieser ist am Braut Tisch der gezierte Spinnroken aufgestellt und muß ihn die Gspiel fortwährend umdrehen damit er von den Gästen von allen Seiten besehen werden kann.
Ist die Abdankung vorüber so wird die Braut mit Musik heim begleitet und es gehen viele Gäste mit und werden dort dann die Sachen und Hochzeits-Geschenke besichtigt und es wird dort auch gezecht und getanzt.
Nach zurükkunft in die Wirtschaft, wenn Tanz erfolgt muß der Gespielführer die Gspiel an den Brautführer abtretten und letzterer muß sich um eine andere Tänzerin umsehen.

Der Kuppler auch Hochzeitsgast ist ohne seines Bissens gekennzeichnet durch einen langen Zopf der aus Flachs hergestellt wurde und ihm heimlich angehängt wird.

Die Hochzeit Feier dauert solange Gäste da sind. Was in der Regel bis zum hellen Tag dauert.
Adern Tages früh werden bei den Hochzeit Gästen von den vorhandenen übrig geblieben mit Musik Eier und Fleisch von Haus zu Haus gesammelt und dann in der Wirtschaft verzehrt und so vergeht der Tag.
Die Kosten die dabei entstehen gehören dem Brautführer zu tragen und heist dies

Die Nachhochzeit.

Von Herrn Werner Kapp, Wettelsheim, am 24.03.2003 übergeben.



Hochzeitsbräuche in Solnhofen.

Kommt ein „Pärchen“ aus irgend einem Grunde nicht zum Heiraten, sondern heiratet z.B. der junge Mann ein anderes Mädchen, o streuen „liebe Freunde“ in der Nacht des Heiratstages vom Haus des Bräutigams zu seiner früheren Angebeteten Spreuer, das sind die Hülsen von Getreidekörnern.

Bleibt das Brautpaar in der gleichen Ortschaft, so führt z.B. der Bräutigam seine Braut während des 12 Uhrläutens in das neue Heim. Wohnt das neue Paar späterhin im Elternhaus der Braut, so holt diese in genannter Zeit den Bräutigam von seinem Elternhause ab. Auf dem Wege in das neue Heim wird das Brautpaar öfters auf gehalten, das heißt, 2 Personen spannen quer über die 'Straße einen Strick oder eine Schnur. Erst wenn sie ein „Lösegeld“ gegeben haben, können sie wieder ungehindert weitergehen.

Während des Hochzeitsmahles erscheint die Köchin und klagt, dass sie während des Kochens am Herdfeuer ihre Schürze verbrannt habe. Dabei zeigt sie eine ältere, versengte Schürze vor. Sie bittet um Gaben zur Beschaffung einer neuen Schürze und nimmt dieselben mit einem Schöpflöffel, dem sog. „Pfefferlöffel“ in Empfang.

Zwischen den einzelnen Tanzpausen werden von den jungen Leuten mitunter recht anzügliche „Schnadahüpfeln“ gesungen, wo von einige lauten:
Etz bist du verheirat, jetz bist du a Mo,
etz schaut di dei Lebtag koa Madla mehr o.

Etz bist du verheirat, etz bist du a Wei(b),
etz siehst du. dei Lebtag koan Madla mehr glei(ch).Etz wünschfn mir der Braut u.in Bräutigam Glück,
daß's alle 3/4 Jahr a G'vatterschaft gibt.

Die Braut, die is luschti, die Braut, deï is nett,
und in 3/4 Jahr hänga d’ Windln vor'm Bett.

Und jetz kauf dir a Steckala zum Kinderregier'n,
und wenn di Alt' net pariert, kunnscht' as a glei probier’n.


Der Storchenbaum


In unserer Gegend sieht man immer wieder eine „Storchenbaum“.

Dieser wird einem eben vermählten Ehepaar von Freunden vor das Haus gestellt. Auf der Spitze thront ein Storch. Darunter hängt man alles Mögliche als „Erstausstattung“ für ein hoffentlich bald erwartetes Kind daran. Der Storchenbaum soll die Neuvermählten daran erinnern, dass sie bald möglichst für Nachwuchs sorgen. Meist wird eine Frist von einem Jahr gesetzt. Hat sich bis dahin Nachwuchs nicht wenigstens angekündigt, wird eine deftige Brotzeit mit viel Bier für die Aufsteller des Storchenbaums fällig.
Am Baum wird eine Tafel angebracht, auf der Sprüche wie diese zu lesen sind:

Der Storch da auf dem Baum
erfüllt so manchen Kindertraum.
Doch kann er das nicht ganz allein
ihr müsst ihm schon behilflich sein.
Drum lieber xxxxxx streng dich an,
dass die +++++++ brüten kann.
Der Baum, der bleibt so lange stehn,
bis der Nachwuchs sich lässt sehn.
Legt ihr ihn schon früher um,
kommt ihr um eine Brotzeit und ein
Fass Bier nicht herum.

xxxxx Vorname des Bräutigams
++++ Vorname der Braut

oder

Wir wünschen euch das Allerbeste
zu eurem Hochzeitsfeste.
Dieser Baum soll ein Denkmal sein,
bis das erste Kind trifft ein.
Ein Jahr lassen wir euch Zeit,
bis das Baby in der Wiege schreit.
Ist’s bis dahin nicht so weit,
stellt gleich eine Brotzeit und 50 l Bier bereit.
Legt ihr ihn schon vorher um,
lachen wir uns alle krumm,
denn es ist ja ausgemacht,
dass das dann das Doppelte macht.

oder

Dieser Baum ist auserkoren
Bis ein Kind ist euch geboren.
Und seid ihr übers Jahr nicht drei
Kommt ihr um ein Fest mit uns nicht vorbei.

siehe auch --> Brauchtum --> Storchenbaum

Grenz- und Flurumgänge


In Schambach, Dietfurt, Langenaltheim, Geislohe machen im Herbst die Siebner (Steiner) einen Grenzumgang, zu dem die ganze Bevölkerung eingeladen wird. Besondere Bräuche sind dabei nicht üblich.

In Pleinfeld, Mischelbach, Fiegenstall, St.Veit, Walting und Stopfenheim veranstaltet die Kirche Flurumgänge, auch Bittgänge genannt, damit das Feld vor Hagel verschont bleibt.

Im Eichstätter Pastoralblatt von 1857 IV/166 steht zu lesen:

Der Kultus des allerheiligsten Sakramentes – Abschaffung des Flurumrittes
(Zusatz: an Fronleichnahm)

Die Missbräuche, welche nach Beendigung der Prozession in Übung waren, indem sich die fromme Reiterei in ein Wettrennen *1 auflöste, waren Ursache, weshalb der Umritt gänzlich abgestellt und dafür die gewöhnliche Prozession eingeführt wurde.

*1 So verließen in Stopfenheim noch vor Ende der Prozession die ledigen Burschen den Zug und sprengten in stärkster Carriere dem Dorfe zu nach einem bestimmten Wirtshause und wer zuerst in die Hausflur einritt, erhielt 30 kr. und freies Ehrenmahl mit den Gerichtsleuten des Dorfes.

Journal v.a.f. Franken V. 758

Zum Beschluss

Diese Aufzeichnungen gehen zum Teil auf ein nicht mehr zeitlich festlegbares Skript des Stadt- und Bezirksamtes Weißenburg in Bayern und andere Quellen zurück. Verschiedene Hinweise lassen vermuten, dass sie in den 50-er Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgeschrieben wurden. Sie können und wollen keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit haben.

Deshalb bitte ich alle,

die diese Zusammenstellung in die Hand bekommen und etwas dazufügen könnten um Nachricht. Jeder, der mir hilft, diese Aufzeichnungen zu erweitern, hinterlässt unseren Nachkommen etwas Bleibendes, dient all denen, die wissen möchten, wie es früher einmal gewesen ist, welche Werte in unserer Vergangenheit zählten, was früher galt, worüber man lachte und schmunzelte, worüber man – wenn es sein musste – traurig war.

Danke

So erreichen Sie mich

Dieter Rieß
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