Maibaum

Maibaumgebote



Dreimal zehn Maibaum-Gebote

nach Alfons Schweiggert


Unter den bayerischen Bräuchen ist nach wie vor das Aufstellen eines Maibaumes am 30. April einer der beliebtesten. Es gibt kaum einen Ort in Bayern, wo nicht ein derartiges Frühlingssymbol errichtet ist. Immer wieder sind in den letzten Jahren jedoch vereinzelt Tendenzen zu beobachten, die mit dem ursprünglichen Brauchtum nur mehr am Rande zu tun haben. So schleichen sich beim Stehlen des Maibaums, bei der Wahl seines Standorts, im Hinblick auf sein Aussehen sowie beim Aufrichten des Baumes neue Sitten ein, die das gewachsene Brauchtum zu untergraben und in unguter Weise zu verändern drohen. Deshalb seien im folgenden dreimal zehn Maibaum-Gebote aufgeführt, deren Beachtung das Brauchtum auch künftig bewahren hilft.



10 Gebote zur Platzierung

1. Ein Maibaum soll möglichst inmitten der Gemeinde, etwa auf dem Marktplatz, seinen Standort rinden. Der ideale Dreiklang ist:
Kirche - Maibaum - Wirtshaus.
2. Als Maibaum wird der gerade gewachsene Stamm einer bis zu 40 Meter hohen Fichte gewählt. Höhen bis zu 60 und mehr Metern sind äußerst selten.
3. Auf der Spitze des Baumes bleibt der grüne Wipfel in Christbaumgröße stehen. An seiner Stelle kann aber auch ein Hahn oder das Bayerische Wappen die Spitzezieren.
4. Im oberen Drittel des Stammes, gelegentlich auch im unteren Drittel hängt je ein Fichtenkranz, der mit bunten Bändern verziert sein kann. Diese Kränze dürfen auch gut gelungene Imitationen sein, so dass sie auch nach zwei Jahren noch ansehnlich ausschauen.
5. Die Rinde des Baumes kann am Stamm belassen werden. Er kann schmucklos bleiben. In die Rinde dürfen aber auch Ornamente eingeschnitzt sein.
6. Die Rinde darf vom Stamm ganz oder teilweise geschält werden. Wird sie zum Teil abgeschält, entsteht eine natürliche Beringung. Der geschälte Stamm darf schmucklos bleiben. Am geschälten Stamm kann aber auch schraubenförmig oder kreuzweise eine - auch künstliche - Fichten-Girlande vom Boden bis zum Kranz nach oben gewunden sein. Der geschälte Stamm darf auch mit senkrecht daran aufgehängten kleinen - auch künstlichen - Fichtenkränzen geschmückt werden.
7. Wird der geschälte Stamm bemalt, kann dies auf folgende Weise geschehen: Der ganze Stamm wird diagonal von unten nach rechts oben weiß-blau beringt. Es entsteht die so genannte „Schneck". Der Stamm kann zusätzlich unten mit weiß-blauen Rauten bemalt und erst darüber diagonal nach rechts oben weiß-blau beringt sein.
8. Am Stamm können bis zu 18 kräftigen Holzsprossen oder geschmiedete doppelseitige Eisensprossen - parallel oder versetzt - angebracht sein, auf die Embleme befestigt werden wie gewerbliche Zunftzeichen, Figurenschmuck mit Szenen aus dem Dorfleben.
9. Unter dem oberen Kranz erzeugen dort angebrachte Kletterfiguren - möglichst in Lebensgröße - eine lebendige Wirkung.
10. Im unteren Drittel kann ein Tanzfiguren-Paar, der „Hansi" und die „Greti" als Symbol für menschliche Fruchtbarkeit angebracht sein. Eine darunter befestigte Spruchtafcl gibt Auskunft, welche Gruppe den Maibaum- Brauch in der Gemeinde aufrecht erhält. Es können aber auch besinnliche oder heitere Sprüche darauf geschrieben sein.

10 Gebote beim Diebstahl

1. Ein Maibaum darf nicht von Bürgern der eigenen Gemeinde, sondern nur von Burschen anderer Gemeinden gestohlen werden. Wer die Absicht hat, einen Maibaum zu stehlen, soll dies so planen, dass er dabei nicht entdeckt wird. Dabei ist zu beachten, dass ein Maibaum zumeist Tag und Nacht von mehreren Wächtern streng bewacht wird.
2. Werden die Räuber beim Abtransport des Baumes innerhalb der Gemeindegrenzen überrascht, müssen sie die Beute sofort kampflos zurückgeben.
3. Ein erfolgreich gestohlener Baum darf weder zersägt noch anderweitig beschädigt werden.
4. Am l. Mai aufgestellte Baume dürfen nicht mehr entwendet werden.
5. Gestohlen werden darf nur der Baum, nicht aber Kränze, Fähnchen, Figuren und anderes Beiwerk.
6. Ein entwendeter Baum muss von den Opfern noch vor Ende April ausgelöst werden.
7. Die Räuber sollen keine unerschwinglich hohe Auslöse fordern. In der Regel erhält jeder der beteiligten Räuber ein bis drei Maß Bier und eine kräftige Brotzeit. Eine Gruppe von Räubern bekommt also zwischen 50 und 150 Maß Bier und eine „anständige" Leberkäs-Brotzeit.
8. Wird der gestohlene Baum nicht ausgelöst, haben die Räuber das Recht, ihn als „Schandbaum" am Rande ihrer Ortschaft aufzustellen und auf einem am Baum angebrachten Schild die Schande der Bestohle-nen kund zu tun. Sie dürfen den Baum auch für einen caritativen Zweck versteigern.
9. Nach dem Auslösen des Baunies und der Versöhhungsfeier soll wieder Friede herrschen. ...,,.
10. Der Maibaumdiebstahl soll durch Einhaltung der Regeln so durchgeführt werden, dass keine der Parteien vor Gericht gehen muss.

Maibaumsprüche

Besseres kann kein Volk vererben
Als vererbten Väterbrauch.
Wo eines Landes Bräuche sterben,
stirbt des Landes blüte auch.

Maibaum steh auf
zum weißblaua Himmi zoag nauf,
dass uns zu jeglicher Zeit
d' Hoamat gedeiht.


Frohe Arbeit, frohes Feiern
Reiche Ernte jedem Gau.
Gott mit dir, du Land der Bayern
Unterm Himmel weiß und blau.

Schönau 2004 – aus dem Lied der Bayern


Ihr Städter nehmt euch in Acht,
dass ihr den Bauern nicht veracht!
Er ist – nach Gott – der erste Mann,
der den Hunger stillen kann.

Obermögersheim 2004


Du liebe schöne Maienzeit
es ist nun wieder mal so weit,
dass wir bewachen unsren Baum,
damit ihn andere nicht klaun.
Nach Arbeit, Müh und Last
steht der Baum an seinem Platz.
Nun sitzen wir vergnügt darunter
und halten uns mit Liedern munter.
Nun steht des Baumes schöne Pracht,
das hat des Dorfes Fleiß vollbracht.

Lentersheim 2004


Wenn dieser Baum so lange steht,
bis aller Neid und Hass vergeht,
so steht der Baum, ich sag’s fürwahr,
noch viele, viele tausend Jahr.

Kröttenbach 2004


Zu fällen einen schönen Baum
braucht’s eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenke, ein Jahrhundert.

Ehingen 2004


Wenn die Vögel wieder singen
Ausbreiten ihre schönen Schwingen.
zum Fliegen sich erheben
und gen Himmel sie aufstreben,
wenn die Sonne scheint direkt ins Herz,
noch güldner als das Eisenerz,
die Menschen wieder fröhlich werden,
dann ists Frühling hier auf Erden.
Gesang und Lachen hört man klingen
durch die laue Frühlingsluft
erste Frühlingsblumen bringen
uns den zarten Maienduft,
und dies jedes Jahr aufs Neue.

Beyerberg 2004

Mein Dorf, das ist die Tradition in Ehren hält,
hat mich vereint hier aufgestellt.
Nun betrachte mich genau und denke stets daran,
dass einer allein nichts erreichen kann.

Schambach 2008

Jedes Jahr aufs Neu
kommt der erste Mai.
Burschen in den Wald naus geh’n
und sich nach einem Baum umsehn.
Er wird abgesägt, nach haus gebracht
und einen Tag lang schön gemacht.
Am Abend wird er aufgestellt,
das ganze Dorf zusammenhält.
Am ersten Mai kann man ihn seh’n,
in seiner Schönheit vor uns stehn.

Laubenzedel 2008