Allerberg 09 Augustin

Im Spiegel der Presse


Josef Sturm
in der Roth-Hilpoltsteiner-Volkszeitung
und im Hilpoltsteiner Kurier

Das Leben eines Instrumentenmachers


Leseabend in der Sybilla-Maurer-Grundschule Allersberg

Allersberg (st) Zu einem netten und unterhaltsamen Leseabend hatte der Förderverein „Freunde der Sybilla-Maurer-Grundschule Allersberg“ aufgerufen, doch leider waren diesem Aufruf nur wenige Interessierte gefolgt. Diejenigen aber, die gekommen waren, wurden in der Aula der Grundschule nicht nur mit kulinarischen Köstlichkeiten und ausgewählten Getränken von den Mitgliedern des Fördervereins verwöhnt, sondern sie erlebten einen wahren Hörgenus. Sie konnten bei diesem wunderschönen Verwöhnabend Seele und Geist baumeln lassen und sich entspannen und auftanken. In bester Manier präsentierte Konrektor Dieter Rieß die Geschichte „Der liebe Augustin“. Er erzählte und las nicht nur die Geschichte des Instrumentenmachers Augustin Sumser und verdeutlichte anschaulich dessen Leben von seiner Geburt in Mittenwald an bis zu seinem tragischen Tod am Bodensee, sondern untermalte und begleitete die einzelnen Abschnitte des Romans mit bekannten Spieldosenmelodien.
Doris Steinrück, die Vorsitzende des Fördervereins gab eingangs zunächst einen kurzen Einblick in die Arbeit der Grundschulinitiativive und erläuterte die Projekte, die bisher bereits durch das Wirken des Fördervereins verwirklicht und durchgeführt werden konnten. So leiste etwa die Lernwerkstatt Mathe hervorragende Arbeit und auch die Tageslicht-Beleuchtung der Klasszimmer komme bestens an. Steinrück bedauerte das geringe Interesse, denn auch die Spendengelder aus dem Leseabend wären direkt den Grundschülern zugute gekommen. Trotzdem wollen wir den Abend genießen, so forderte sie alle auf, sich zurückzulehnen und sich von Dieter Rieß Geschichte verzaubern zu lassen.
Vor dem Hintergrund der Kulisse des romantischen Bodenseestädtchens Lindau, bildlich dargestellt nahezu ganz vom Wasser umgeben, begann Dieter Rieß seine Erzählung in der er ganz in das Leben und Wirken des „Lieben Augustin“ eintauchte. Vollends in seinen Bann zog er die Zuhörer als bekannte Lieder wie etwa „Ach du lieber Augustin, alles ist hin…“ aus der Spieldose erklangen und die einzelnen Romanabschnitte auflockerten. Das Geschehen um den Romankünstler Augustin Sumser, der sein Leben als Spieldosenbauer und Lebenskünstler in Lindau verbrachte und in die Wirren der Weltpolitik geriet, stets aber alles mit Humor und unverbesserlichen Optimismus sah, begeisterte die Zuhörer. Sie fühlten sich durch die gekonnte Wiedergabe des erfolgreichsten Werkes von Wolfram Geißler, in dem anschaulich die herrliche Landschaft des Bodensees beschrieben ist, direkt dorthin und unmittelbar in die damalige Zeit um 1800 versetzt, in der die Handlung spielte. Sie litten mit dem Jungen, der seinen Vater nicht kannte und früh seine Mutter verlor und beschloss, das Leben so zu nehmen wie es gerade kommt. Als auch sein Onkel starb, war er ganz alleine auf der Welt, riss aus dem Seminar aus, und machte sich auf in seinen Geburtsort Mittenwald, um das Geigenbauerhandwerk zu erlernen. Dann führt ihn sein Weg wieder nach Lindau, wo er sich mit der Herstellung von Spieluhren zu einem kleinen Vermögen kam, die erste Liebesromanze mit der Äbtissin Frederike erlebt, schließlich Susanne kennen lernt und heiratet, die er dann bei der Geburt des ersten Kindes verliert. Anrührend und spannend ist die Geschichte um den lieben Augustin, die wunderbar erzählt und gelesen wird von Dieter Rieß. Zum Verhängnis werden Augustin scheuende Kutschpferde auf der Brücke zur Stadt, die er aufzuhalten versucht. In der Kutsche sitzt Frederike und man will schon an ein Happyend denken, doch Augustin erliegt im Alter von 51 Jahren seinen Verletzungen. Aber selbst der nahende Tod kann seinem Frohsinn und Humor nichts anhaben. Lachend und fröhlich wie er gelebt hat, so wolle er auch sterben, so bekräftigt er in den Armen von Frederike sein Leben aushauchend.
Fasziniert verfolgen die Besucher das Ende der mitreißenden Geschichte und sparen nicht mit Beifall, als Dieter Rieß schließlich das Buch zuschlägt und die letzten Töne aus der Spieluhr verklungen sind. Alle sind sich einig: es war ein herrlicher Abend, den man bald wiederholen sollte.

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Tief beeindruckt zeigten sich die Zuhörer vom überaus gelungenen Leseabend in der Grundschule und der hervorragenden Darbietung der Geschichte „Der liebe Augustin“ von Konrektor Dieter Rieß.

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