Fasching in allersberg

Unsinniger Donnerstag 2007

Freitag, 16. Februar 2007

Närrisches auf dem Stundenplan
In Allersbergs Grundschule gehört Fasching zum Unterricht— Rathaus gestürmt

Jedes Jahr um die gleiche Zeit tobt die Revolution in Allersberg. Bürgermeister Bernhard Böckeler wird entmachtet, und die Narren übernehmen bis zum Aschermittwoch das Regiment. Seit einigen Jahren sind beim Rathaussturm auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler der Grundschule mit von der Partie, denn dort steht der Fasching mittlerweile ganz offiziell auf dem Stundenplan.

ALLEBSBEKG (aar) - Der Arbeitstag beginnt ganz normal für Dieter Rieß. Zuerst unterrichtet er Musik in der 3D, um sich dann in der Deutschstunde in der 3C mit den Vorsilben zu beschäftigen. In der Pause wechselt der Pädagoge dann seine Dienstkleidung, zieht sein bunt getupftes Clownskostüm über, bindet sich die giftgrüne Fliege um, die ihm seine Schüler zum 60. Geburtstag geschenkt haben, und setzt sich Clownsnase, Perücke und eine glitzernde Mütze auf.

Tanzfiguren einstudiert
In der Aula warten die Schülerinnen und Schüler schon ungeduldig auf ihren Konrektor, der nun als Zeremonienmeister und Tanzlehrer im Einsatz ist. „Schäi muss gäi, ja schäi muss gäi, oder i geh ham, geh ham", singen die zum großen Teil ebenfalls kostümierten Schützlinge der Allersberger Grundschule lauthals mit, während ihnen Rieß auf der Bühne die einzelnen Tanzschritte und -figuren vormacht. In den hinteren Reihen tanzen auch einige als Hexen und Clowns ausstaffierte Lehrerinnen mit, eine offizielle Dienstanweisung zum Faschingsrummel gibt es jedoch nicht. „Das ist jeder Lehrkraft selbst überlassen. Manche Klasse macht auch ein eigenes Programm in ihrem Klassenzimmer", erklärt Rektor Franz Kronenwetter. Gerade für die Erstklässler könnte diese große Faschingsfete nämlich noch etwas zu viel des Guten sein. „Die stehen dann am Rand und halten sich wegen der hohen Lautstärke die Ohren zu", weiß der Schulleiter aus langjähriger Erfahrung.
Der Großteil der 373 Allersberger Grundschüler macht jedoch begeistert mit bei dem närrischen Zwischenspiel in der Schulaula, obwohl das Faschingstreiben am Unsinnigen Donnerstag vom bayerischen Kultusministerium angesichts des ohnehin schon unterrichtsfreien Rosenmontags und Faschingsdienstags eigentlich untersagt ist. Die Schulleitung nutzt hier jedoch die Freiräume, die einem der Lehrplan lässt und betrachtet das Ganze als praktischen Heimat- und Sachkundeunterricht.
„Wir pflegen damit ja auch unser Allersberger Brauchtum, und das ist durchaus Bestandteil des Lehrplans", erklärt Dieter Rieß, als er sich nach seinem „Faschingsunterricht" für seine nächste Stunde umzieht. Außerdem solle mit solchen Aktionen die Schulgemeinschaft gestärkt und die Verbundenheit der Kinder zu ihrer Heimatgemeinde unterstrichen werden. Und diese Verbundenheit mit den Allersberger Faschingsbräuchen demonstrieren zahlreiche Schülerinnen und Schüler dann auch beim Rathaussturm am Nachmittag, wo sie dem Publikum die mit Dieter Rieß geprobten Tänze gleich noch mal vorführen. „Hier. kommt die Rucki-zucki, yeah", singt der erneut kunterbunt kostümierte Konrektor und animiert seine Schützlinge, beim „yeah" noch ein paar Dezibel zuzulegen, damit die Rathausmauern wackeln und Bürgermeister Bernhard Böckeler aus seinem Amtszimmer rauskommt.
Endlich taucht der von den Flecklashexen in Gewahrsam genommene Rathauschef auf. Er muss den Schlüssel zum Rathaustresor rausrücken und wird von Rieß und Willy Bittner, dem Präsidenten des Faschingskomitees, in den eigens auf dem Vorplatz aufgebauten Käfig gesteckt. Reinhold Mücke, der geschäftsführende Beamte der Marktverwaltung, bringt noch Kette und Schloss herbei, und Böckeler ist damit der „politische Gefangene" der Allersberger Maschkerer.
Einen taktischen Fehler haben sich die närrischen Revolutionäre dabei aber geleistet und eine Tüte Bonbons im Käfig zurückgelassen. Als das die Kinder bemerken, rütteln sie wild am Käfig, Und einige leisten dem Bürgermeister in seinem provisorischen Verließ Gesellschaft.

Krapfen alssegeld
Der verteidigt tapfer seine Bonbontüte, bis Rieß einschreitet. „Der Käfig gehört dem Bürgermeister", stellt er klar und konfisziert kurzerhand die Bonbons. Die gehören schließlich dem Faschingskomitee, das die Süßigkeiten lieber selbst unters närrische Volk bringt. Böckeler muss sich also irgendwie anders freikaufen und bietet den Nachwuchsmaschkeremrn schließlich Krapfen und Brezen an, was die nach kurzem Zögern annehmen. Rieß lädt noch mal zum Tanz ein, bevor das Faschingstreiben langsam ausklingt. Und am heutigen Freitag stehen wieder ausschließlich Deutsch oder Mathe auf dem Stundenplan.

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