Literaturnacht Berching

Freitag, 20.10.2006
Berchinger Literaturnacht

Ernstes und Respektloses an ungewöhnlichen Orten

Ballade vom „Berchinger Hechtn" vor dem Schmiedefeuer vorgetragen — Höhepunkt der Literaturwoche

BERCHING (ka) - Den absoluten Höhepunkt der Berchinger Literaturwoche - bildete die Literaturnacht am vergangenen Freitag, 20.10.06. Von 19 bis 22.30 Uhr wurde den Besuchern an sieben außergewöhnlichen Plätzen Literatur dargeboten. Ob im Sitzungssaal des Rathauses oder im Pettenkoferhaus, bei einem Schuster oder vor einem Schmiedefeuer, ob bei einem Physiotherapeuten und in der Schranne, an jeder Station erfuhren die Besucher Ernstes oder Heiteres, Respektloses oder Nachdenkliches. Die einzelnen Ereignisse wurden in bestimmten Zeitabständen wiederholt, so dass die Besucher der Literaturnacht ständig in Bewegung waren, um alle Beiträge zu genießen, oder sich selber Schwerpunkte zu setzen.
Die einzelnen Ereignisse wurden in bestimmten Abständen wiederholt, so dass die Besucher der Literaturnacht ständig in Bewegung waren, um alle Beiträge zu genießen, oder sich selber Schwerpunkte zu setzen.
In der Schlosserwerkstadt Schoyerer in der Hubstraße zum Beispiel gab der Musiker und Autor Dieter Rieß Rittergedichte und Balladen, darunter die vom „Berchinger Hechtn", zum Besten. Die erste Strophe: „Zu Berching in Sulzental, glaam's is mir, es war amal, do hom alte Hecht'n g’haust, dene hots vor gar nix g'raust." Haus Schoyerer bearbeitete vor und nach dem literarischen Beitrag heiß glühendes Metall zu einem gewundenen Zierstab. Dabei schaute ihm der Autor und mancher Besucher sehr genau zu.
In der Schranne, die zu einer Literaturkneipe umfunktioniert worden war, lasen abwechslungsweise CSU-Kreisvorsitzender Albert Füracker und Stadträtin Sieglinde Hollweck ausgewählte Texte aus Politik und Gesellschaft. Gedichte von Eichendorf, Goethe und Fontäne trugen im Pettenkoferhaus Pfarrerin Dagmar Knecht und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Andreas Höffler vor. „Belsazar und mehr" hieß es im Obergeschoss des Rathauses. Hier las die Studentin Fabienne Delacroix Auszüge aus dem Bibeltext, beziehungsweise. trug das Gedicht von Heinrich Heine vor. „Komm, süßer Tod", Auszüge aus dem Roman von Wolf Hass, las die begeisterte Krimileserin Jutta Frank in der Praxis für Physiotherapie in der St. Lorenzstraße. Schließlich gab es noch Erich Kästner in der Orthopädie Otto Streb, rezitiert von Thomas Hausner, Schauspieler und Regisseur der Luna-Bühne Weißenburg, und Auszüge aus „Der Kontrabass" von Patrick Süskind, vorgetragen von Martin Dreiling, Schauspieler und Intendant des Tourneetheaters „Brettgeflüster". Letztes Ereignis der Literaturwochen, die von der Kulturreferentin im Stadtrat, Gerlinde Delacroix organisiert wird, ist die „Opernwerkstatt" für Kinder anlässlich des Mozartjahres in der Grundschule in Holnstein und in der Volksschule in Berching.

 

Hans Schoyerer bearbeitete das Eisen, während der Autor Dieter Rieß selbst demonstrativ zum Hammer griff.

Auszug aus den Neumarkter Nachrichten

Schmiedemeister und Ritter

Ballade von den Berchinger Hechtn

Berchinger Hechtn
(nach der Melodie: "Die altn Rittersleut" zu singen)

Zu Berching im Sulzental,
glaam’ s’is mir, es war amal,
do hom alte Hechtn g’haust,
dene hots vor gar nix g’raust.

Ja so warns, (bissn homs),
ja so warns, (bissn homs),
ja so warns,
di neigierin Hechtnfisch.
Ja so warns, (bissn homs),
ja so warns, (bissn homs),
di neigierin Hechtnfisch.

Und do draußn auf der Wies,
liabe Leid, des is ganz quieß,
dou is so a Hecht rumg’leng,
di Leid hom g’moand, a Vogl is queen!

Ja so warns .....

Da Schoyerer hod an Käfich g’macht,
ganz aß Eisn, wohlbedacht,
da Hecht hat si zwar krümmt und g’reckt
und is nacher doch vareckt.

Ja so warns .....

Ritter hots do koane geem,
deszweng war’s ganz schee, is Leem
und vo Berching do, dia Leid
hod des imma wieda g’freid.

Ja so warns .....

So, jetz gengts zum näxdn Moo,
der eich wos vorlesn koo,
denn mit dera Litratur
kriagts aa ihr no a Kultur.

Ja so warns .....

Dieter Rieß